Chronik einer Endomorphose, 29. Okt. 2004

Eingeschüsselte Gehirne
1931

Oktober 2004

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Some were kept alive with their brains spread out permanently on a laboratory table, for microscopic observation during their diverse psychological reactions.
Olaf Stapledon, 1930

   
[1] Diesen Seiten liegt der Gedanke zugrunde, dass unsere menschlichen Gehirne einmal mit einer mechanisch-computerisierten Umwelt verschmolzen werden könnten. Es scheint mir bemerkenswert, dass die Vorstellung eines isolierten Gehirnes, welches über Elektroden mit Prothesen von Sinnes- und Sprechorganen verbunden wird, schon recht alt ist.    
[2] Der amerikanische Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) schrieb um 1931 eine schauerliche Geschichte über fremdartige Wesen aus dem Weltraum, die bereits seit Jahrtausenden auf der Erde lebten und unter anderem die Mythen vieler Völker beeinflusst hatten. (Man fühlt sich an die Theorien von Erich von Däniken erinnert.) Diese Wesen erreichten es, dass Menschen sich damit einverstanden erklärten, dass ihre Gehirne aus ihren restlichen Körpern herausgelöst wurden. Die Gehirne wurden dann in kleine Metallbehälter eingesetzt. Diese Metallbehälter waren mit Anschlüssen für künstliche Ohren und Augen sowie für ein künstliches Sprechorgan versehen. Die Gehirne waren darüber praktisch unsterblich gemacht. Hier sind zwei Zitate aus der Geschichte The Whisperer in Darkness von H. P. Lovecraft, die näher beschreiben, wie man sich das vorzustellen hat.    

[3] Es schien, daß unversehrte menschliche Körper die Reise tatsächlich nicht machen könnten, daß aber die Außerirdischen mit ihren phantastischen chirurgischen, biologischen, chemischen und mechanischen Fertigkeiten einen Weg gefunden hatten, menschliche Gehirne ohne die dazugehörige körperliche Hülle fortzubringen.

   

[4] Es gebe eine unschädliche Methode, ein Gehirn herauszulösen und den übrigen Körper währenddessen am Leben zu erhalten. Die reine, kompakte Gehirnmasse würde dann in eine gelegentlich erneuerte Flüssigkeit in einen luftdicht verschlossenen Behälter aus einem Metall gelegt, das auf dem Yuggoth gewonnen würde, wobei mit Hilfe bestimmter Arten von Elektroden das Gehirn an komplizierte Instrumente angeschlossen werden könne, mit denen die drei entscheidenden Fähigkeiten des Sehens, Hörens und Sprechens reproduziert werden könnten.

   
[5] Im Folgenden beschreibt Lovecraft noch, wie ein solch eingeschüsseltes Wesen angeschaltet wird und ein Gespräch mit einem noch normalen Menschen führt.    
[6] Heute, im Jahr 2004, mehren sich die Zeitungsartikel, die über tatsächliche Verbindungen von Gehirnen mit künstlichen Gebilden berichten. Und unter dem Stichwort der Hybridiserung fördert die Europäische Union in ihrem 6. Forschungsrahmenprogramm gezielt die Verschmelzung biologischen Lebens mit Computern.    

Weitere Seiten zu diesem Thema:

Ein Artikel aus einem Wochenmagazin 2004: Denken statt Tippen
Eine Kurzgeschichte von Peter Felix Schuster 2001: e-Life: Weiterleben als Rechner. Eine Phantasie für das Jahr 2050
Eine zukünftige Menschenrasse züchtet Supergehirne 2001: Olaf Stapledon schreibt 1931 über Vital Art in einer fernen Zukunft

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Letzte Änderung: 29. Okt. 2004