Chronik einer Endomorphose, 13. Sept.2005

Sozialdarwinismus in den USA
Historische Wurzeln

Sept. 2005

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Auf diesen Webseiten sind, in loser Tagebuchart, Gedanken und Material zu der These zusammengestellt, dass sich aus unserer gegenwärtigen menschlichen Gesellschaft heraus komplexere Strukturen bilden, die die Züge eines Individuums, eines Überorganismus tragen. Während dieses Prozesses werden die Bestandteile den funktionalen Erfordernissen der Übergebilde angepasst. Die Bedürfnisse der potenziell entstehenden Überwesen sind heute erkennbar als Optimierungsziele von zum Beispielen Unternehmen, Staaten oder Wirtschaftsstandorten. Dem einzelnen werden sie als Sachzwänge fühlbar. Indem wir von den Bedürfnissen dieser Kollektive ausgehend die Anforderungen an das Individuum richten, drängen wir das Individuum zur Anpassung. Ein wesentliches Instrument ist eine vom Kollektiv ausgehende, nach innen gerichtete Selektion, die ich hier als Endodarwinismus bezeichnen möchte.

 

 

Die Gesellschaft lässt die Entstehung von mehr Menschen (oder auch Unternehmen) zu, als eigentlich für den Betrieb notwendig sind. Es werden dann ständig diejenigen Individuen in das Kollektiv, etwa ein Unternehmen, eingebunden, die zweckdienlich sind. Individuen die weniger zweckdienlich sind, werden aus dem kollektiv entfernt und die auf sie verwendeten Ressourcen werden möglichst weitgehend beschnitten. Dieser Mechanismus verdeckt die drohende Umformung des Individuums in Anpassung an die kollektiven Vorgaben, da die Anpassung nicht unbedingt an der Entwicklung eines Menschen sichtbar wird, sondern erst durch den Austausch eines unangepassten durch ein angepasstes Individuum. Es findet eine nach innen gerichtete, proto-darwinistische (nicht lamarckistische) Evolution statt.

 

 

Vor wenigen Wochen sind in Folge eines Wirbelsturmes Deiche gebrochen, die die amerikanische Stadt New Orleans schützten. Die Opfer der nachfolgenden Überschwemmung weiter Stadtgebiete waren vor allem Schwarze, ökonomisch weniger erfolgreiche Menschen. Dies nahm Harold Evans zum Anlass, in den BBC-Online-Nachrichten vom 9. September 2005, einen Bezug zu sozialdarwinistischen Strömungen in den USA herzustellen.

 

 

Der Sozialdarwinismus, so Evans, gehe auf den Engländer Herbert Spencer, ein Schwiegersohn von Charles Darwin, zurück. Es war Spencer, der den Begriff des "survival of the fittest" geprägt habe. In Großbritannien jedoch habe der Sozialdarwinismus niemals die Popularität erlangt, wie in den USA. Dort habe sich ein gewisser William Graham Sumner um dessen Verbreitung bemüht. Der Industrielle Andrew Carnegie habe sich dahingehend inspirieren lassen, dass der menschliche Fortschritt ausschließlich durch das "fortwährende Gefressenwerden der Schwachen durch die Starken" stattfindet. Politiker aller Richtungen, so Evans, begannen so zu denken. 1877 verweigerte der demokratische Präsident Grover Cleveland den Opfern einer Dürreperiode die Hilfe. Er sagte: "Ich glaube nicht, dass sich Macht und Pflicht der Regierung auf die Milderung individuellen Leidens richten sollten. Es sollte ständig gelehrt werden, dass zwar die Menschen die Regierung unterstützen mögen, aber nicht die Regierung die Menschen." Die Idee, so Evans weiter, werde wohl niemals verschwinden, übt sie doch eine zu große Anziehungskraft auf die ökonomisch Starken mit ihrem Glauben an die Heiligkeit des Marktes aus.

 

Herbert Spencer
William Graham Sumner
Andrew Carnegie
Grover Cleveland
Ronald Reagan


Etwa zeitgleich mit dem BBC-Artikel, nämlich am 13. September, erschien in der Online-Version des deutschen Manager-Magazins ein typischer Artikel, der erahnen lässt, dass der Sozialdarwinismus auch in Deutschland eine Rolle spielt Die gedankenlose Verherrlichung ökonomischer Stärke äußert sich eine beängstigende Weise darin, wie den potenziell Mächtigen mit Attributen sinnloser Gewalt geschmeichelt wird. Ich zitiere aus einem Artikel über ein Automobil:

 

 

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Zwei Bilder sind wie folgt untertitelt: "Oder doch lieber eine dezente Zwölfzylinder-S-Klasse? Gewaltiges Heck der R-Klasse" Und: "510 PS schieben eine Burg durch den Wind: R-Klasse Front"


 

 

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Letzte Änderung: 13. Sept. 2005

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