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Chronik einer Endomorphose, 5. Okt.2005 Das
Forschungsparadigma der Kollektiven Intelligenz Gunter
Heim |
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Vortrag,
gehalten anlässlich der Ferienakademie Inhalt Einführung Verschiedene Zeiten haben verschiedene Denkmuster und Denkfiguren bevorzugt. Ein heute gebräuchliches Denkmuster ist das einer dezentralen, intelligenten Gruppe; eines schwarmartigen Kollektivs. Dieses Denkmuster findet man sowohl im Bezug auf gesellschaftliche Realitäten als auch auf biologische Lebensformen und neuerdings auch auf künstliche Gebilde wir Roboter oder virtuelle Wesen angewandt. Ich möchte in diesem Vortrag zum einen zeigen, dass die Denkfigur des intelligenten Schwarmes in einer theoretischen und praktischen Ausarbeitung ein Kontinuum von Theorie und Anwendung schafft, welches zumindest dem Anspruch nach die Unterscheidbarkeit zwischen Ameisen, Robotern, Menschen und virtuellen Wesen aufhebt: Wir sind alle Agenten in einem kollektiven, adaptiven System, welches es zu optimieren gilt. Zum anderen möchte ich der eigenartigen Stellung und Rolle des Individuums innerhalb einer kollektiven Intelligenz nachgehen. Hier liefert ein Vergleich des nüchternen Jargons der Robotik-Forschungsszene mit gesellschaftskritischen Texten aus den 1930 bis 60er Jahren bedeutsame Hinweise. Ich möchte zunächst mit konkreten Beispielen in die Begriffswelt der kollektiven Intelligenz einführen. Die meisten der Beispiele habe ich den offiziellen Webseiten der EU-Forschungsförderung entnommen. Das Prinzip kollektiver Intelligenz in der Robotik Ein sehr häufig zitiertes Beispiel für kollektive Intelligenz ist die Wegstreckenoptimierung von Ameisen. Man stelle sich Ameisen vor, die von ihrem Bau zu einer entfernten Futterquelle den kürzesten Weg als Straße benutzen. Man lege den Tierchen nun derart ein Hindernis in den Weg, dass sich für die Ameisen rechtsherum um das Hindernis ein sehr langer, neuer Weg zur Futterquelle ergibt, der Weg linksherum aber sehr viel kürzer ist. Man wird dann beobachten, dass die Ameisen zunächst zufällig den einen oder anderen Weg wählen. Nach einiger Zeit allerdings benutzen immer mehr Ameisen den kürzeren, linken Weg. Wie haben sie diesen herausgefunden? Beobachtet man bloß eine einzelne Ameise, so erkennt man in ihrer Bewegung etwas Zufälliges oder Orientierungsloses, sie scheint nicht planvoll vorzugehen. Ein zentraler Bestandteil der Lösung ist die Verwendung eines Duftstoffes: Die Ameisen sondern ständig ein sogenanntes Pheromon, ab, dass sich jedoch im Laufe der Zeit wieder verflüchtigt. Es ist nun so, dass die Ameisen in ihrem scheinbar zufälligen Lauf Richtungen mit erhöhter Pheromonkonzentration einen gewissen Vorrang geben. Die Ameisen, die zufälligerweise den kürzeren Weg gewählt haben, kommen auch eher am Ziel an. Die Ameisen, die nun wieder zurücklaufen möchten, riechen also an dem Zweig des kürzeren Weges das Pheromon, nicht jedoch am Zweig des längeren Weges, denn dort sind ja noch gar keine Ameisen angekommen. So nehmen die rückkehrenden Ameisen - tendenziell - den kürzeren Weg. Auch wenn hin und wieder Ameisen zufällig den langen Weg wählen, wird dort die Pheromonkonzentration immer niedriger sein, als auf dem kurzen Weg, denn der Duftstoff verflüchtigt sich ja mit der Zeit und es dauert auf dem längeren Weg auch immer eine längere Zeit, bis eine Ameise wieder an eine markierte Stelle zurückgelangt. So verstärkt sich sehr schnell der kurze Weg. Keine Ameise braucht auch nur eine Ahnung der Geographie rund um den Bau zu haben, hält sie sich nur an diese einfache Regel. Eduardo Izquierdo-Torres, von der University of Sussex in England, charakterisiert das Paradigma der kollektiven Intelligenz treffend wie folgt: "Simple Agenten in Kolonien sozialer Insekten erzielen verblüffende Leistungen durch die Ausnutzung einiger einfacher Prinzipien. Sie sind ein spektakulärer Beweis des Potenzials, welches in dem Ansatz steckt, vorzugsweise viele simple Agenten zu benutzen und nicht einige wenige komplexe, wenn es darum geht, komplexe Aufgaben schnell und zuverlässig zu lösen. Sie sind außerdem ein lebender Beweis dafür, dass evolutionäre Prozesse ... unnötige Komplexität auf der Ebene von Individuen minimieren können."1 Betrachten wir an einem Beispiel, wie dieses Prinzip in die Robotik übertragen wird: In einem Raum sitzen einige Roboter in einer Ecke2. Die Roboter sind mit Licht- und Tastsensoren ausgestattet. Über Räder können sie umherfahren. In dem Raum befindet sich auch ein Zylinder, der an seinem Rand erleuchtet ist und von den Robotern "erkannt" werden kann. Ein ortsfestes, helles Licht an einer beliebigen Stelle im Raum markiert nun das Ziel, zu dem die Roboter den Zylinder bewegen sollen. Wie sind die Roboter zu programmieren? Der "Charme" der angestrebten Lösung sollte darin bestehen, dass die Roboter nicht miteinander kommunizieren, keinem zentralen, übergeordneten Plan folgen und dennoch ein koordiniertes, kooperatives Verhalten erzeugen. Aus der reinen Ich- bzw. Objektbezogenheit der Individuen soll sozusagen ein angepasstes Gruppenverhalten "emergieren". Das ist nicht ganz trivial, denn die Roboter müssen es zum Beispiel vermeiden, den Zylinder gleichzeitig von verschiedenen Seiten zu schieben, denn dann arbeiten sie ja bloß gegeneinander. Und: Roboter die den Zylinder in Fahrtrichtung mehr seitlich schieben, zwängen ihn in eine nutzlose Kurve. Hier muss sichergestellt sein, dass der Zylinder ausreichend gerade bewegt wird. Und die Roboter dürfen sich auch nicht gegenseitig im Weg stehen und sich behindern. Um diese Aufgabe zu lösen wurde jeder einzelne Roboter zunächst mit einigen "Sinnesleistungen" ausgestattet: Erkenne die Nähe eines Zylinders (am Licht). Erkenne die Richtung in der das Ziel liegt (an einem sehr hellen Licht). Erkenne ein anderes, störendes Objekt (optisch und über einen Tastsensor). Und so weiter. Solchen Sinnesleistungen standen einige primitive Verhaltensweisen gegenüber: Fahre in zufälliger Weise umher. Erhöhe die Motorkraft (um einen Zylinder zu schieben). Fahre rückwärts. Fahre rückwärts und mach eine kleine Linksdrehung. Der Pfiff in der Lösung lag nun darin, Sinnesdaten und Verhaltensatome so miteinander zu verknüpfen, dass die Gruppe als Ganzes scheinbar kooperativ und koordiniert den Zylinder zum Ziel schiebt. Der Veröffentlichung über dieses Projekt zufolge ist dies auch tatsächlich gelungen. Im Internet verfügbare Videoaufnahmen sollen zeigen, wie die Roboter zu Beginn eines Versuches zunächst ziellos umherfahren, sich dann aber um einen Zylinder gruppieren, sich optimal an diesem platzieren und dann den Zylinder in einer mehr oder minder zielgerichteten Schlängellinie dem Ziel zuführen. In einem anderen Forschungsprojekt3 ging es darum, dass (aus Lego gebaute) fahrende Roboter eine größere Anzahl von zufällig auf einer Fläche verteilten Objekten, die "Beute", an einem vorgegebenen Ort, dem "Nest", zusammentragen sollten. Ein typischerweise auftretendes Problem bei solchen Aufgaben ist, dass die Effizienz ab einer gewissen Anzahl von mitwirkenden Robotern abnimmt: Die Roboter behindern sich dann gegenseitig so stark, dass die Sammelleistung pro Roboter mit der Anzahl der eingesetzten Roboter zu sinken beginnt. Wie in dem zuvor beschriebenen Projekt, wurden die Roboter mit einigen rudimentären Verhaltensweisen ausgestattet: Bleibe im Nest und mache nichts. Fahre suchend umher. Bringe Beute ins Nest. Lege die Beute ab. Und: Gebe die Suche auf. Die einfache Regel, die zu einer Effizienzsteigerung auf Gruppenebene führte ist folgende: Ein Roboter, der erfolgreich Beute ins Nest befördert hat, erhöht seine Wahrscheinlichkeit, mit der er das Nest für eine erneute Suchtour verlässt. Erfolglose Roboter hingegen verringern ihre Wahrscheinlichkeit, das Nest zu verlassen. Mit anderen Worten: Erfolglose Roboter ziehen sich "freiwillig" zurück, erfolgreiche Roboter hingegen werden zunehmend aktiver (Parallelen zum Verhalten mancher Menschen sind offensichtlich4: nach einem "Dämpfer" verspürt man meist weniger Tatendrang als nach einem Erfolg. Da die Roboter tatsächlich bauliche Unterschiede aufwiesen, wie etwa unterschiedlich gut packende Greifarme, führten die Testläufe dazu, dass sich einige Roboter aktiver verhielten als andere. Die kollektive Eigenschaft der Optimierung der Gruppengröße "emergierte" aus dem Wechselspiel primitiver, ich-bezogener Roboter. Allgemein gilt für kollektive Optimierungen: Erfolglose Individuen schränken ihre Aktivitäten ein bzw. sie bekommen Ressourcen entzogen. Das Denkuniversum kollektiver Intelligenz Recherchiert man auch in Forschungsgebieten am Rande der "Szene" der aktuellen Robotik, so wird schnell deutlich, dass das Konzept kollektiver Intelligenz im Bezug auf Roboter Teil eines sehr viel größeren Denkuniversums mit weit reichenden Anwendungsansprüchen ist. Insekten- oder Bakterienkolonien, LKW-Flotten, menschliche Gesellschaften, die Nervenzellen im Gehirn, "Roboter-Ökologien" oder virtuelle, nur im Computer existente Figuren werden alle gleichermaßen als komplexe, adaptive Systeme, als evolutionsfähige Kollektive oder als bio-inspirierte Lösungssuchstrategien bezeichnet5. Erkenntnisse, die an einem Betrachtungsobjekt gewonnen wurden, lassen sich über ausreichend abstrakt gefasste Theorien übertragen auf andere Bereiche. Eine nähere Betrachtung der Robotik kann in dieser Hinsicht auf zweierlei Weise fruchtbar sein: Forschungsprogramme und bewilligte Projekte können als Ausdruck einer Hoffnung gedeutet werden, zur Erkenntnis gesellschaftlicher Prozesse oder biologischer Systeme (z. B. Menschen) beizutragen. Zum anderen schickt sich die Robotik an, gemeinsam mit anderen Forschungsdisziplinen gesellschaftliche Realitäten zu erschaffen: Roboter, bzw. Teile von ihnen, sollen mit Menschen verschmelzen und sich auf allen Stufen und in allen Nischen unserer Welt einfinden. Zu einem Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heißt es: "Herausragende Merkmale biologischer Informationsverarbeitungssysteme, wie des Gehirns, des Immunsystems, des Genoms oder staatenbildender Insekten, sind ihre hohe Geschwindigkeit durch Parallelverarbeitung, ihre Flexibilität sowie ihre überaus große Robustheit gegenüber Unvollständigkeiten, Störungen und Fehlern in den sensorischen Daten." Als beispielhafte Anwendungsgebiete werden unter anderem ausgewiesen:
Und in einem soziologischen Projekte der Fernuniversität Hagen6.1 heisst es:
"Die Grundidee ... besteht darin, das Wissen über elementare Wechselwirkungen zwischen Objekten, wie sie am Beispiel der molekularen Wechselwirkungen in einer künstlichen Chemie untersucht wurden, auf komplexe Objekte und deren Verhalten zu übertragen. Auch im Falle sozialer Systeme sollen Regeln für Objekte auf der mikroskopischen Ebene aufgestellt werden und deren Auswirkungen anhand mesoskopischer oder makroskopischer Selbstorganisations-Phänomene studiert werden..." (Hier treffen wir wieder auf die erhoffte Emergenz, sie heisst jetzt Selbstorganisations-Phänomen.) Das Beispiel eines englischen Forschungsprojektes6.2 kann andeuten, was damit gemeint sein könnte. Man hat am Verhalten von Atomen in Molekülverbänden festgestellt, dass sich mehr stabile Verbindungen ergeben, wenn es einige Teilchen gibt, die schwache Bindungen immer wieder aufbrechen. Übertragen auf Gesellschaften hat man dann daraus postuliert oder festgestellt, dass Menschen, die fremde Partnerschaften auflösen dazu beitragen, dass sich im Gros stabilere Partnerschaften bilden, weil sie eben schwächere ständig neu auflösen und die Partner in ständiger Suche halten. Man könnte hier wieder auf Emergenz verweisen: Indem ein Mann oder eine Frau erfolgreich bestehende Partnerschaften auflöst, sorgt er oder sie dafür, dass die durchschnittliche Stabilität aller Partnerschaften im Kollektiv zunimmt. Man kann zusätzlich deuten, dass es für die mittlere Stabilität aller Paare günstiger ist, wenn Ineffizienzen (schwache Bindungen) aktiv aufgebrochen werden. Weiter aber mit dem Hagener Projekt: "Die Objekte in sozialen Systemen sind Akteure, die technisch als komplexe Agenten mit variablen Eigenschaften modelliert werden ... Durch den Einsatz von Techniken aus dem Bereich der komplexen adaptiven Systeme7 ... sollen strategiefähige, adaptive Agenten konstruiert werden, um Prozesse der sozialen Interaktion in unterschiedlichen Agentenpopulationen zu simulieren und damit Aussagen über die Emergenz und Dynamik sozialer Systeme zu generieren, die anschlussfähig für aktuelle soziologische Fragestellungen sind." (Hier finden wir die Emergenz auf soziale Systeme angewandt). Wir sehen, wie Menschen, Tiere, Roboter und so weiter auf theoretischer Ebene per Abstraktion gleichgesetzt werden sollen. Doch der Anspruch der Robotik geht über reine theoretische Betrachtungen hinaus. Roboter und Menschen sollen sich verschmelzen und vermischen: Das von der Europäischen Union geförderte Projekt Cognitive Robot Companion verfolgt das Ziel, Roboter gesellschaftsfähig zu machen, denn - Zitat - "ein mit Menschen interagierender Roboter ... muss sich der Gegenwart von Menschen bewusst sein, ihre Kommunikationsbereitschaft erkennen und die Fähigkeit erwerben, die angemessene räumliche Distanz gegenüber Menschen zu wahren."8 Man bezeichnet eine solche Mischgesellschaft auch als hybride Gesellschaften. Ein anderes Projekt9 versteht unter hybriden Gesellschaften eine Kolonie aus Kakerlaken und Robotern, wobei die Roboter letztendlich das Kakerlakenverhalten beeinflussen sollen (die Vision ist es, Heuschreckenschwärme mit Robotern zu infiltrieren, die den Schwarm als Ganzes steuern können.) Eine Hybridisierung von Biologie und Technologie auf der Ebene individueller Menschen ist das Ziel des Projektes Neurobotics10. Auf einer Webseite heisst es, dass drei Forschungsrichtungen zusammengeführt werden sollen: "Die Robotik ... Neurowissenschaften ... sowie Schnittstellentechnologien mit besonderer Berücksichtigung nicht-invasiver und invasiver Schnittstellen zum peripheren wie auch zum zentralen Nervensystem", also dem Gehirn. Über die Absichten des Projektes liefert das folgende Zitat Auskunft: "ein primäres Ziel der Bionik ist die Erweiterung der körperlichen und intellektuellen Fähigkeiten des Menschen durch Prothesen im weitesten Sinn und die Ersetzung des Menschen durch Automaten und intelligente Maschinen." Ich möchte die skizzenhafte Vorstellung dieses neuen Forschungsstranges der Robotik durch die Nennung einiger Kurz- und Langtitel von Projekten oder Veröffentlichungen abschließen. Es soll deutlich werden, dass die Robotik in ihrer Bedeutung nur erfasst werden kann, wenn man sie als integralen Bestandteil eines entstehenden Denk- und Gestaltungsuniversums auffasst, in dem systemische Effizienz das oberste Ziel ist und in dem die dazu nötigen Komponenten letztendlich beliebig gestaltbar sein sollen:
Ich möchte nun zeigen, dass auch unsere Gesellschaft wie eine kollektive Intelligenz funktionieren könnte. Als Indiz dafür betrachte ich Zitate von Gesellschaftskritikern, deren Beschreibung einer ganz spezifisch beschränkten Individualität sehr gut zu Anforderungen an kollektivierte Individuen passt. Das Individuum in der kollektiven Intelligenz Um die eigentümliche Stellung des Individuums innerhalb einer kollektiven Intelligenz erfassen zu können, müssen wir uns deren Kerngedanken vergegenwärtigen. Mechanismen kollektiver Intelligenz lassen Anpassungs- und Lösungsstrategien entstehen, die jenseits des Fassungsvermögen der beteiligten Individuen liegen. Eine Zelle in einem Gehirn trägt dazu bei, ein Schachspiel zu gewinnen, doch würde man keiner einzelnen Zelle ein Verständnis des Spieles zugestehen. Die kollektive Intelligenz eröffnet einer Gesellschaft Lösungsräume, die jenseits der Intelligenz von Einzelindividuen liegen. Jetzt kehren wir diese Sichtweise um: Die Lösungen, die durch kollektive Intelligenz entstehen, können durch das Individuum in der Regel nicht vorhergesehen werden. Wäre dies ohne Weiteres möglich, bräuchte man ja keine kollektive Intelligenz. Das heisst aber auch, dass die Individuen sich in einem Klima der Effizienzoptimierung gar nicht erst bemühen sollten, jene Lösungen selbst anzustreben, die sich erst durch das Zusammenspiel vieler Beteiligter ergeben. Das wäre nutzlose Ressourcenverschwendung und genau darauf, auf den Versuch gesamtgesellschaftlicher Gestaltung, wird auch zunehmend verzichtet. Adam Smith, der im Jahr 1776 sein Werk Untersuchung über das Wesen und die Ursachen des Volkswohlstands veröffentlichte und damit den theoretischen Unterbau der Marktwirtschaft lieferte, schrieb über den typischen Kaufmann: "... indem er sein Gewerbe auf den größten Nutzen hin anlegt, verfolgt er bloß seinen eigenen Gewinn. Er wird dabei aber gleichsam wie von einer unsichtbaren Hand geleitet, ein Ziel zu verfolgen, welches nie Teil seiner Absichten war. Und das ist gar nicht zum Nachteil der Gesellschaft, dass diese in seinen Gedanken nicht vorkommt. Indem er seine eigenen Ziele verfolgt, fördert der Kaufmann das Wohl der Gesellschaft wirksamer als wenn er es direkt verfolgte. Ich habe niemals etwas Gutes daraus erwachsen sehen, wenn einzelne im Namen des öffentlichen Wohls zu handeln vorgaben. Eine solche Anwandlung ist in der Tat auch nicht sehr verbreitet unter Handelsleuten; man benötigt sehr wenige Worte, sie davon abzubringen." Die Individuen tun also sehr viel besser daran, sich auf jene Verhaltensweisen zu beschränken, die in der Wechselwirkung mit den anderen den Erfolg auf höherer Ebene emergieren lassen (Smiths "unsichtbare Hand"). Im Fall der Ameisen, die den kürzesten Weg um ein neues Hindernis suchen wollen, wäre das angemessene Verhalten ein hohes Maß an zufälligem Umherlaufen unter Bevorzugung pheromonintensiver Wege. Eine Ameise, die beim Auftreffen auf ein neues Hindernis innehält und über die neue Sachlage nachdenkt, trägt weder zum Mechanismus der kollektiven Intelligenz bei noch hat sie aufgrund ihrer beschränkten Gehirnkapazität große Chancen, das Problem zu lösen. Was also ist die angemessene Haltung eines Individuums innerhalb einer kollektiven Intelligenz? Welche "Mentalität" sollte ein Roboter im Schwarm, etwa der Beutesucher, haben? Es sind folgende Eigenschaften, die das Individuum in der kollektiven Intelligenz kennzeichnen: 1.Er sollte eine Denkbeschränkung in
Richtung jener Probleme aufweisen, die durch die Mechanismen
kollektiver Intelligenz gelöst werden können.17 Ich möchte nun zeigen, dass sich tatsächlich Indizien dafür finden lassen, dass sich (viele) Individuen in unseren modernen, westlichen Marktwirtschaften derart verhalten. Einiges spricht dafür, dass in der Zeit von 1930 bis in die frühen 1960er Jahre Veränderungen in der Beziehung der Menschen untereinander besonders sichtbar wurden, die für feinfühlige Zeitgenossen einen Bruch gegenüber den vorherigen Zeiten spürbar werden ließen.18 Partielle Selbstbeschränkung Nehmen wir als ein Indiz für die Beschränkung hinsichtlich bestimmter Erkenntnisbereiche die Ablehnung der Intellektualität. Herbert Marcuse schreibt in seinen 1942 im amerikanischen Exil verfassten Feindanalysen: "Wer also in der Welt vorankommen will, tut gut daran, alle transzendentalen Ideen, die den wirkungsvollen Einsatz seiner Mittel behindern, über Bord zu werfen und sich an die nackten Tatsachen zu halten." An anderer Stelle schreibt Marcuse von einer "Selbsterniedrigung und Selbstanklage des Intellektuellen, dessen Arbeit sich nicht auf wissenschaftliche, technische oder ähnliche Ergebnisse beschränkt". Der Intellektuelle scheint sich mit den "Grenzen der Vernunft abzufinden" und die "nutzlosen, geistigen Abenteuer" zu meiden. Und gilt es nicht auch heute, in der Politik, ideologiefrei und pragmatisch, "unvergrübelt praktisch", wie Theodor Adorno schreibt, zu handeln? Ist nicht das Wort "theoretisch" gerade da, wo wichtige Entscheidungen fallen sollen, eher Spott als Lob? An dieser Stelle scheint es mir wichtig, ein scheinbares Paradoxon anzusprechen und aufzulösen. Die Unterordnung des Individuums unter ein Kollektiv wird hin und wieder mit Tendenzen der Verdummung in Verbindung gebracht. Kazem-Sadegh Zadeh, der an der Universität Münster Professor für die Theorie der Medizin war, hat im Jahr 2000 ein Buch mit dem Titel Als der Mensch das Denken verlernte geschrieben. Auf dem Buchrücken heisst es: "Die Maschinen machen die gleiche Evolution durch wie die Lebewesen in Darwins Theorie und bringen in diesem Prozess die globalisierte Maschine hervor. Es gibt auf der Erde nur noch eine Maschine mit dem Internet als ihrem Gehirn. Sie ist nicht steuerbar, sie lebt, sie ist intelligent, sie handelt, sie hat den Menschen schon überrundet und zu ihrem Werkzeug umgestaltet. Nur der Mensch merkt es nicht, weil sein Denken sich zurückgebildet hat." Tatsächlich aber dürfte die These eines allgemeinen Intelligenzverfalls über die Jahrzehnte nur schwer zu belegen sein. Der Zahl nach werden immer mehr Menschen immer gebildeter. Was sich am Individuum in einer kollektiven Intelligenz zurückbildet ist nicht die Intelligenz an sich, sondern eine bestimmte Richtung, Intelligenz anzuwenden. Worauf das Individuum durchaus viel Intelligenz verwenden darf und soll ist die Erledigung der vom kollektiv aufgetragenen Aufgaben. Die Ameise dürfte beliebig intelligent dabei vorgehen, Pheromondüfte aufzuspüren. In der menschlichen Sphäre beobachten wir, dass der einzelne große Intelligenz aufbringt, seine Steuerlast zu minimieren, seine Firma optimal am Markt zu platzieren oder den psychologischen Kniff zu finden, mit dem die Kunden das eigene Produkt kaufen. Was abgeriegelt wird, ist das Politische19, die auf gesamtgesellschaftliche Steuerung gerichtete Intelligenz. Horkheimer und Adorno sprechen denn unter der Überschrift Zur Genese der Dummheit20 von einer partiellen Dummheit. Der Familienvater, der große Umsicht und Kompetenz im familiären und beruflichen Umfeld zeigt, verweigert sich einer Analyse der Gründe hoher Arbeitslosigkeit oder struktureller Armut.20.1 Ständige Aktivität Wir kommen zu einem nächsten Indiz eines in kollektiver Intelligenz eingebetteten21 Individuums: Der ständige Drang nach - durchaus planloser - Aktivität. Wir erinnern uns an die Rolle des Zufalls bei den Wegfindungsaufgaben der Ameisen aber auch bei den Robotern: Die einzelnen Tiere bedürfen nicht unbedingt eines individuellen Planes, nach dem sie sich bewegen, Hauptsache ist sie erkunden ständig das Umfeld. Verwaltungen müssen Verwaltungsakte produzieren, Politiker ständig neue Konzepte auf den Tisch legen und Mitarbeiter ständig innovative Ideen produzieren. Je neo-liberaler, das heisst marktwirtschaftlicher, die Sprecher, desto mehr Innovationsrhetorik produzieren sie. Dies ist nicht unbedingt Zufall. Das Fehlen eines Planes ist ja gerade die Pointe der kollektiven Intelligenz: Wo es keinen Plan gibt, muss umso mehr probiert werden. Wir haben diese Haltung als Aktivitätsdrang ganz verinnerlicht und nehmen sie mit ins Private. Adorno schreibt: "Alle müssen immerzu etwas vorhaben. Freizeit verlangt ausgeschöpft zu werden. Sie wird geplant, auf Unternehmungen verwandt, ist Besuch aller möglichen Veranstaltungen oder auch nur mit möglichst rascher Fortbewegung ausgefüllt [Der Bezug zum ökonomischen ist sowohl in der deutschen wie auch der englischen Sprache gegeben: Business will sagen busy-ness. Und im Deutschen weist das Adjektiv geschäftig schon auf ein wesentliches Merkmal von Geschäft ]." Ressourcenverteilung Dass aus einer zufällig gefundenen Lösung eine dauerhafte Verbesserung wird, setzt voraus, dass wir unsere Lösungen ständig messen, sodass die Ressourcen angemessen zu den Erfolgreichen und weg von den Erfolglosen geschoben werden können. Man denke an die Optimierung der Robotergruppe, die verschiedene Beuteteile ins Nest bringen sollte. Dort hatte jeder Roboter seinen Erfolg selbst zu messen und sich entsprechend zu verhalten. Marcuse kennzeichnet dieses Prinzip im Bezug auf die Gesellschaft als "Jedem nach seiner Arbeit" [und nicht etwa jedem nach seinen Bedürfnissen], denn, so Marcuse, "die Bedeutung der Industrialisierung entstand nicht mit der Einführung von Fabriken, sie entstand aus der Messung der Arbeit." Erst wenn das Kollektiv die begrenzten Ressourcen dorthin schiebt, wo sie sich am besten bezahlt machen, steigt die Effizienz des Ganzen. Hochschulen, Wirtschaftsstandorte und Unternehmen werden ständig gerankt, evaluiert. Man muss dem System gegenüber beweisen, dass man nützlich ist, denn sonst drohen die Mechanismen kollektiver Optimierung mit Ressourcenentzug. Adorno schreibt über den modernen Menschen, der sich dem schon ganz angepasst zu haben scheint: "Er benimmt sich tendenziell bereits von sich aus, als ob er unablässig seine Tauglichkeit darzutun hätte." Auch die Gleichsetzung des menschlichen Wertes mit seiner systemischen Nützlichkeit hat das angepasste Individuum bereits verinnerlicht. Horkheimer und Adorno schreiben gegen Ende des Zweiten Weltkrieges über die amerikanische Mentalität22: "Jeder ist so viel wert wie er verdient, jeder verdient so viel er wert ist." Erfährt ein Amerikaner kein Glück in der Welt, so schließt er: "I am a failure ... - And that is that." Eigener Wert und systemischer Nutzen werden eins, die Ressourcen dürfen frei fließen. Es erscheint in dieser Deutung naheliegend, dass wir uns uns auch im alltäglichen Miteinander Hemmungen zum gegenseitigen Ressourcenentzug abgewöhnen müssen. Dies leistet die Gegenwartskultur. Casting-Shows und andere Fernsehformate leben heute sehr viel weniger davon, den Gewinner zu feiern, als die Verlierer zu erniedrigen und noch vorhandene Hemmungen gegen sie abzubauen.23 Der Drang zur Gruppe In einer grundlegenden Beschreibung des Prinzips kollektiver Intelligenz fand ich die fast schon tautologische Aussage, dass man in der Regel mehrere, oft sehr viele Individuen benötigt, bevor die anonymen Mechanismen der kollektiven Intelligenz greifen können. Fünf Ameisen könnten mit der Pheromonstratetegie kaum den kürzesten Weg vom Nest zu einer etwas entfernteren Futterquelle finden. 100 Ameisen wohl. Es steckt eben in der Definition des Begriffes kollektiv, dass man eine Gruppe braucht. So muss auch die ökonomische Welt darauf drängen, dass sich überall Gruppen bilden. Der Amerikaner Vance Packard brachte 1957 seinen Klassiker The Hidden Persuaders über die Verwissenschaftlichung der Werbeindustrie heraus24. Packard schreibt: "Der Trend in der amerikanischen Gesellschaft hin zum fremdbestimmten Menschen, dem Menschen der mehr und mehr einer Gruppe angehört und im Team spielt, wurde ... von weiten Teilen der Industrie begrüßt..." Packard zitiert einen hohen Vertreter von Industrie und Politik mit den Worten: "Wer nicht im Team spielt und seinen Kopf erhebt, wird sich schnell in einer gefährlichen Lage wiederfinden." Sehr befremdlich wirkt auf mich eine gewisse Ästhetik von Business-Typen. Eine Internet-Bilderrecheche nach der Begriffskombination Business-People brachte sehr seltsame und unerwartete Resultate. Erwartungsgemäß waren die meisten Bilder in gräulichen und bläulichen Farbtönen gehalten. Das ist heute die vorherrschende Ästhetik in der ökonomischen Welt. Auffällig war aber die Tatsache, dass häufig Gruppen abgebildet waren, in den die Menschen alle gleich groß sind, ähnliche Körperformen haben und in offensichtlich künstlich arrangierten, unnatürlichen Posen angeordnet sind. Das wirklich Befremdliche aber war die Darstellung der Gesichter: diese waren oft verwaschen dargestellt, sodass man individuelle Gesichtszüge nicht erkennen konnte. Der Effekt ist eindeutig ein künstlicher, denn die restlichen Köperteile waren scharf abgebildet. Kann dies als ein Indiz dafür gedeutet werden, dass moderne Unternehmen einen ent-individualisierten Mitarbeiter wünschen? Ich möchte zum Schluss kommen. Der ursprüngliche Titel meines Vortrages lautete Paradigmenwechsel und Zukunftsvisionen in der Künstlichen Intelligenz. Technikfolgenabschätzung, Forschungsmotivation und Forschungsziele. Lassen Sie mich diese Punkte etwas umstellen und versuchen, ein Fazit aus den bisherigen Betrachtungen zu ziehen. Ein neues Paradigma in der aktiven Robotik-Forschung ist die Schwarmintelligenz, die kollektive Optimierung von Robotergruppen oder von Mischgesellschaften aus Menschen, Tieren, Computern und Robotern. Als Motivation sehe ich neben einer gewissen technischen Plausibilität der Ansätze vor allem eine geistige Nähe des Konzeptes der kollektiven Intelligenz zu unserer marktorientierten, konkurrenzbasierten und effizienzverhafteten Gesellschaftsordnung. Das Fehlen einer zentralen Steuerung, die scheinbare Autonomie der Einzelwesen in einem Kollektiv und die Verheißung flexibler, adaptiver Anpassungsfähigkeit bilden eine perfekte Resonanz zu den Grundfesten marktliberaler Denkweisen. Es ist die naheliegende Theorie jener, die sich als Gewinner in einem Kampf aller gegen alle sehen. Als Forschungsziele in der europäischen Forschungslandschaft werden zum Beispiel Schwärme zur Überwachung der Umwelt oder Arbeiten in schwer zugänglichen Gebieten, wie etwa im Bergbau, ausgewiesen. Ich möchte an dieser Stelle jedoch auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass in der amerikanischen Forschungsdarstellung sehr explizit und unbefangen auch militärischen Anwendungen genannt werden (die in Europa gänzlich fehlen). Doch es gibt meiner Meinung nach auch zwei unausgesprochene Forschungsziele, eines ist sympathisch aber trügerisch, das andere ist - für mich - offensichtlich bedrohlich. Das erste hängt mit dem oft beschworenen Phänomen der Emergenz zusammen. Wesentliche gesellschaftliche Probleme, allen voran die Arbeitslosigkeit, entziehen sich einer sicheren Lösung. Befürworter marktliberaler Ansätze verweisen darauf, dass gerade Deregulation und das freie Spiel der Kräfte eine Lösung sozusagen von alleine emergieren lassen. Wer so denkt, dürfte von der Erforschung kollektiver Intelligenz als Ziel womöglich eine theoretische Rechtfertigung seiner Hoffnungen erwarten. Bedenklich ist hier jedoch, dass in der Definition kollektiver Intelligenz bereits das Eingeständnis des Verlustes individueller Nachvollziehbarkeit enthalten ist: für den einzelnen wird die soziale Realität immer mehr zu einem unberechenbaren Sachzwang, die Umwelt wieder Naturgewalt, eine gesunde Gesellschaft bloße Hoffnung. Das zweite unausgesprochene Forschungsziel scheint mir bedrohlich zu sein. In der theoretischen Gleichsetzung von Menschen, Tieren, Robotern und sonstigen Gebilden auf theoretischer Ebene und der Konzeption hybrider Schwärme ist nämlich bereits die Erschaffung von ganzen Gesellschaften beliebiger Größenordnung und beliebiger Zusammensetzung vorhanden. Als Potenzial in der aktuellen Robotik angelegt ist die Vision beliebig anpassungs- und durchsetzungfähiger Kollektive bestehend aus beliebigen Systemkomponenten. Das Forschungsziel wäre hier der "herostratische" Trieb, etwas Großes und Mächtiges in die Welt zu setzten, was alles Bisherige in den Schatten stellt. Damit kommen wir zur Technikfolgenabschätzung. Hier möchte ich zwei Arten von Folgen unterscheiden. Zum einen ist es denkbar, dass die Robotik zunehmend in der Lage ist, jene Funktionen des Menschen zu ersetzen, die auf Gruppenebene erfolgsrelevant sind. Dies sind im Wesentlichen ökonomisch nützliche Funktionen: Schwarmroboter im Reinigungsdienst, sozialfähige Dienstroboter oder emotional intelligente Pflegeroboter. Zum anderen sehe ich in dem Forschungsparadigma der kollektiven Intelligenz aber auch die Gefahr, eine Gesellschaftsordnung zu rechtfertigen und zu perfektionieren, in der das Individuum in einem ständigen Widerspruch mit sich selbst lebt: In der kollektiven Intelligenz gründen sich die Beziehungen zwischen den Individuen nicht in ihrem gegenseitigen Miteinander sondern ausschließlich in ihrem momentanen Nutzen für das Kollektiv. Jede Kooperation findet in einem Klima dauerhaften Wettkampfes um maximalen Systemnutzen aller gegen alle statt. Wie sich das in unserer konkreten Lebenswelt äußert, das kann jeder bei Marcuse, Adorno und ihren Zeitgenossen nachlesen. Anstatt aber einen Ausweg aus diesem Dilemma zu eröffnen, verfestigt die Erforschung von Strategien kollektiver Intelligenz das, was die Natur über die Evolution bereits vorgegeben hat. Im Sinne einer kollektiven Intelligenz sind bio-inspirierte Gesellschaften eine bloße Fortsetzung des darwinistischen Kampfes aller gegen alle. Die Herausforderung für die Zukunft liegt in der Nutzung von Technik und Wissenschaft zur Überwindung dieses Prinzipes. Marcuse, im Schluss seines Eindimensionalen Menschen: Alle
Freude und alles Glück entspringen der Fähigkeit, |
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1 Übersetzt aus: Eudardo Izquierdo-Torres: Collective Intelligence in Multi-Agent Robotics: Stigmergy, Self-Organization and Evolution. Januar 2004. Im Internet veröffentlicht 2 Das Experiment ist in der folgenden Veröffentlichung beschrieben: C Ronald Kube, Eric Bonabeau: Cooperative transport by ants and robots. In: Robotics and Autonomous Systems 30 (2000), Seite 85 bis 101. 3 Die Beschreibung stammt aus einer Internetveröffentlichung: Thomas H. Labella, Marco Dorigo und Jean-Louis Deneubourg: Self-Organised Task Allocation in a Group of Robots. Aufgrund der zitierten Literatur muss der Text nach 2002 geschrieben worden sein. Er nimmt Bezug auf das EU-Forschungsprojekt Swarm-Bots (Projektnummer: IST-2000-31010). 4 Howard Bloom formulierte in seinem Buch Global Brain. Die Evolution sozialer Intelligenz die These, dass nicht nur viele Tiere und Zellen sondern auch Menschen über eine Art eingebautes Selbstmordprogramm verfügen: Bei Misserfolg führen sozialer Rückzug und "psychosomatische" Krankheiten dazu, dass erfolglose Individuen weniger Gruppenressourcen beanspruchen. 5 Ein gutes Beispiel ist das Kapitel Eine vereinheitliche Sicht von Natur und Gesellschaft in dem Buch Homo Symbioticus. Einblicke in das 3. Jahrtausend von Joel Rosnay 6 Der Auszug wurde Mitte 2005 einer Internetseite des Bundesministeriums für Bildung- und Forschung entnommen: http://www.it2006.de/kapitel4_2_5.htm 6.1 Die Zitate entstammen einer Internetseite der Fernuniversität Hagen: www.fernuniversität.de/verwaltung/dez2/3/forschung/e43/e433002/p01.htm. Das Projekt lief von 1999 bis 2003 und war am Lehrgebiet Soziologie II angesiedelt. 6.2 Die Beschreibung stammt aus einem Artikel der Online Version der BBC News vom 9. September 2005. Der Titel war Survival of the fittest, der Autor Harold Evans. 7 Genannt werden: Artificial Life, Genetische Programmierung, Evolutionäre Algorithmen und Neuronale Netze 8 Die Beschreibung wurde von einer Webdarstellung des Projektes entnommen und übersetzt. Cogniron ist ein Projekt im Rahmen des Programmes Future and Emerging Technologies (FET) der Europäischen Union. 9 Kurztitel des Projektes, welches von der EU gefördert wurde lautet LEURRE 10 Das Projekt wurde im Rahmen des Programmes Future and Emerging Technologies der EU gefördert. Die hier zitierten Passagen wurden für diesen Vortrag übersetzt. 11 Die Science Ficiton Autoren H. P. Lovecraft, Olaf Stapledon und Stanislaw Lem haben sich seit den 1920 Jahren intensiv mit dem Phänomen schwarmhafter Intelligenzen auseinander gesetzt. 12 Originaltitel: Intelligent Small World Autonomous Robots for Micro-manipulation. EU-Projektnummer: 507006 13 Josh Bongard, Hod Lipson: Integrated Design, Deployment and Inference for Robot Ecologies. Sibley School of Mechanical and Aerospace Engineering, Ithaca, USA. November 2004 14 Der Originalitel des Promotionsprojektes von Jean-Christoph Zufferey am Laboratory of Intelligent Systems an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne lautet Bio-inspired Vision-based Flying Robots 15 Der Kurztitel des Projektes, welches von der EU gefördert wurde, ist: LEURRE 16 Einer Einladung auf der Webseite des Trendbüro, Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel GmbH, entnommen. Die betitelte Veranstaltung sollte am 2. Juni 2005 in Hamburg stattfinden. 17 Im Büro eines Bekannten hängt ein Spruch, der angeblich aus der alten preußischen Zeit stammt und durchaus ernst gemeint war: "Es ist dem Untertan aufs Strengste untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen." Man ersetze hier "Obrigkeit" durch "System". 18 Vieles spricht dafür, dass der Zweite Weltkrieg dazu beitrug, Hemmungen gegenüber Schwäche abzubauen indem der kollektive (Kriegs)erfolg zwangsweise den Vorrang hatte. Die gesellschaftliche Modernität des Dritten Reich wird eindringlich durch zwei Schriften dokumentiert. Einmal das Buch Vordenker der Vernichtung von Götz Aly und Susanne Heim sowie die Feindanalysen von Herbert Marcuse. Auch George Orwell sieht in dem Dritten Reich Züge des Modernen. Man lese dazu: The Lion and the Unicorn aus dem Jahre 1941. Anhand eines Vergleiches von Kriminalgeschichten vor und nach dem Krieg weist Orwell aber auch gleichzeitig eine gewisse Verrohung der Sitten nach. Siehe dazu die beiden Essays Decline of the English Murder (1946) und Raffles and Miss Blandish (1944). 19 In Marcuses Der eindimensionale Mensch trägt ein Kapitel bezeichnenderweise den Titel Die Abriegelung des Politischen. 20 Das Zitat stammt aus dem Textstück Zur Genese der Dummheit aus der Dialektik der Aufklärung. 20.1 Sehr aufschlussreich sind hier auch aktuelle Jugendstudien, wie etwa die 14. Shell Jugendstudie oder eine gemeinsam vom managermagazin und der Unternehmensberatung McKinsey durchgeführten und im Jahr 2005 veröffentlichten Studie. Übereinstimmend zeichnen sie das Bild einer Generation, in der das Indivdiuum seinen Wirkungsanspruch auf ein enges Feld begrenzt. Wo man Gutes tun will, verfolgt man dies über konkrete Aktionen, die einen unmittelbaren Nutzen bringen, und nicht etwa über das Engagement in einer Partei. Die Träume, so in einer Studie, erschöpfen sich in einem Reihenhaus mit Garage. In der Studie des managermagazin und von McKinsey wird die Jugend als gleichemaßen desillusioniert wie auch pragmatisch beschrieben. Fasst man Pragmatismus als ein wandlungsfähiges sich-Ergeben in äußere Sachzwänge auf, so ist dies genau die Einstellung, die das Individuum in einer kollektiven Intelligenz kennzeichnen sollte. 21 Die Einbettung von Intelligenz in größere Funktionszusammenhänge bzw. körperliche Strukturen ist ein wesent-liches Attribut neuerer Strömungen in der KI-Forschung. Man benutzt dann das Adjektiv "embedded". 22 Das Zitat stammt aus dem ergänzenden Kapitel Zwei Welten des Buches Dialektik der Aufklärung (1944) von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. 23 Ich denke hierbei an Sendungen wie Big Brother oder Ich bin ein Star - hol mich hier raus. 24 Vance Packard: The Hidden Persuaders. (1957) Die Zitate wurden für diesen Vortrag übersetzt. Siehe vor allem das Kapitel Moulding 'Team Players' for Free Enterprise. |
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Juni 2005: Der Alltag als Kampfbahn |
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Wealth of Nations Dialektik der Aufklärung Minima Moralia Der eindimensionale Mensch Feindanalysen George Orwell: Verschiedenes The Hidden Persuaders Der Unbesiegbare Homo Symbioticus Als der Mensch das Denken verlernte Das egoistische Gen Global Brain. Die Evolution sozialer
Intelligenz Informationsverarbeitung in sozialen
Systemen Können
Maschinen Handeln Die
Weisheit der Vielen Webseiten
der EU-Forschungsförderung |
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Letzte Änderung:
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