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7. Februar 2009 DustBots Networked and Cooperating
Robots for Urban Hygiene
[...] great improvements had been
effected, but only improvements
about which there could be no two opinions. Olaf Stapledon, 1930 In: Last and First Men
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Das obige Zitat aus Olaf Stapledons Science Fiction Klassiker Last and First Men hatte ich erst kürzlich in einem anderen Artikel verwendet. Und eigentlich will ich die Wiederholung von Zitaten vermeiden. Doch es trifft den Nagel zu sehr auf den Kopf, als dass ich es nicht noch einmal nutzen will. Stapledon beschreibt in seinem
Buch die Zukunft der Menschheit auf die nächsten zwei Milliarden Jahre.
Sechzehn Geschlechter kommen und vergehen, besiedeln fremde Planeten
und werden sich ihrer kosmischen Bestimmung bewusst. Das dritte
Menschheitsgeschlecht, noch auf der Erde lebend, entdeckt die Technik
biotechnischer Manipulationen von Lebewesen, die "plastic
vital art". Beschränkte man sich zunächst auf offensichtlich
heilbringende Anwendungen, gleiten die Anwendungen später ins Skurrile,
Manieristische und Bedrohliche ab. Das Zitat oben bezieht sich auf die
ersten Phase. Einen ähnlichen Vorgang glaube
ich in der Forschungsförderung der europäischen Union ausmachen zu
können. Namentlich in der Robotik werden Anwendungsfelder ausgesucht, "about which there could be no two
opinions", deren Unbedenklichkeit offensichtlich erscheint: die
Konstruktion von Prothesen für behinderte Menschen, Roboter
zur Kontrolle der Umwelt, fußballspielende Maschinen oder auch
müllsammelnde Roboter in der italienischen Kleinstadt Peccioli. Letzteres
wird in einem Artikel des Online-Spiegels vom zweiten Februar 2009
beschrieben. Unter dem Titel Test in
der Toskana. SMS ruft Müllabfuhr-Roboter werden zwei
Robotervarianten der Plattform DustBot beschrieben. DustClean soll
Straßen sauber halten, während DustCart den Hausmüll auf einen
SMS-Anruf hin abholt. Beide
Roboter arbeiten anscheinend vollkommen autark, das heißt ohne
menschliche Hilfestellung. Entwickelt
wurde die Plattform an der Universität von Florenz und der Scuola
Superiore Sant'Anna. Das Projekt mit Einrichtungen aus
insgesamt fünf europäischen Ländern hat ein Budget von 2,8
Millionen Euro und soll weitgehend von der EU-Forschungsförderung
bezahlt werden. Die Orientierung der Roboter auf der Straße erfolgt
über eine
Kombination digitaler Karten, GPS-Technik und Ultraschall-Sensoren. Die
fahrenden Roboter können sowohl ihren eigenen Weg bestimmen als auch
Hindernissen, wie etwa Menschen, ausweichen. Als weiteres
unverfängliches Anwendungsgebiet habe der Projektleiter Paolo Dario
laut dem Spiegel Magazin das Tragen von Einkaufstüten älterer Menschen
im
japanischen Osaka genannt. Honi
soit qui mal y pense -
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Müllsammelnde Roboter werfen kaum
Probleme mit einer größeren ethischen Dimension auf. Wie bei jeder
neuen Technik, müssen zwar auch hier einige nicht rein technischen
Probleme
gelöst werden. Man muss etwa Kollisionen mit Autos sicher vermeiden,
rechtliche Unklarheiten
bezüglich der Haftungsfrage klären und gegebenenfalls auch die
Auswirkungen auf die Arbeitsplätze bisheriger Müllmänner
berücksichtigen. Der
letzte Punkt lässt sich im herrschenden politischen Diskurs leicht
durch den Verweis auf neu entstehende hochqualifizierte Arbeitsplätze
im Technologiebereich abmildern. Und die beiden ersten Einwände gelten
in gleicher Weise auch für andere Technologien, wie etwa
Fahrassistenzsysteme. Hat man aber diese Probleme im Griff,
bleibt
ein scheinbar harmloser technischer Fortschritt über, der unsere
Lebensqualität
zweifelsohne steigert. Great improvements had been effected, but only
improvements about which there could be no two opinions. Um
der von mir unterstellten Doppelbödigkeit des Projektes zu autarken
Müllrobotern auf die Spur zu kommen, folgte ich auf der Webseite des
Projektes einem als offiziell bezeichneten Link auf das Netzwerk Ubiquitous Networking Robotics in Urban
Settings. Dort wird unter der Rubrik Objectives das folgende Ziel der
Forschungsrichtung genannt: Develop an adaptable cognitive network
robot architecture which integrates the following functionalities
(sub-objectives) Es
erscheint mir offensichtlich, dass die Sauberhaltung von Städten bloß
ein Anwendungsfeld liefern soll, in dem man grundlegende Technologien
entwickeln und frei von lästigen öffentlichen Debatten erproben kann.
Was meiner Einschätzung nach vermieden werden soll, sind Aktionen wie
etwa jene von Aktivisten, die medienwirksam Felder zur Erprobung
von genmanipulierten Pflanzen zerstören. Ohne
tief in die Materie eingestiegen zu sein, interpretiere ich die
englischen Stichworte wie folgt. Es geht darum, Schwärme (cooperative)
oder doch zumindest Kollektive von Robotern zu entwickeln, die sich
selbst wechselnden Umweltbedingungen anpassen können (adaptable) und
dabei auch eigene Intelligenzleistungen (cognitive) vollbringen. Über
einen Austausch (wireless communication) von
Ortsinformationen erstellen oder erweitern die Roboter selbständig ihr
Modell der Umwelt
(map building). Für mich vorstellbar wäre es zum Beispiel, dass die
Roboter selbst eine vorher unbekannte Großbaustelle im Modell
konstruieren. Jeder Roboter liefert zunächst
Informationen über unvorhergesehene Hindernisse und erkennt (cognitive)
vielleicht auch bestimmte Straßenschilder. Daraus zieht der Schwarm
letztendlich die Konsequenz einer Großbaustelle, deren Ortsdaten aber
immer wieder neu gedeutet werden (updating). Um nun möglichst effizient
die Straßen zu reinigen oder den Müll einzusammeln, verhandeln die
Roboter untereinander, wer, wann, wo was tut. So kann vermieden werden,
dass
mehrere Roboter gleichzeitig eine kleine Seitenstraße reingen,
während eine touristische Flaniergasse seit längerer Zeit unbesucht
blieb. Gleichzeitig können die Roboter Prioritäten zwischen verschieden
Aufgaben wichten (multi-task negotiation), etwa dem Fegen des Asphalts oder dem
Einsammeln
größerer Müllobjekte . Die
allgemein formulierten "functionalities" der Roboter machen nun aber
auch
ganz andere Anwendungsfälle plausibel: Anstatt... ...wäre
denkbar: ...wäre
denkbar: ...wäre
denkbar: Diese
phantasierten, aber mir plausiblen Anwendungsfelder sind schon
weit weniger unbedenklich als die Sauberhaltung einer toskanischen
Kleinstadt. Was
ich auf den offiziellen Webseiten der EU-Forschungsförderung sowie der
beteiligten Einrichtungen grundsätzlich vermisse sind einfach
auffindbare Verweise auf die Risiken der geförderten Technologien.
Worin die größten Risiken meiner Ansicht nach bestehen, habe ich vor
allem in
dem Artikel Vortrag Das Forschungsparadigma der Kollektiven
Intelligenz im Spiegel der
Gesellschaft hergeleitet. Was
auch fehlt, ist eine gesellschaftlich wirksame Bewegung, die die
entstehenden Technologien frei von wirtschaftlicher Einflussnahme
gestaltet und dabei positive Zukunftskonzepte erstellt. Links innerhalb dieser
Webstruktur
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Letzte Änderung: 23. Februar 2009 // Vorheriger
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