11. März 2009

Körperverletzung TV: WipeOut – Heul nicht, lauf!

Optimierung braucht Härte



Die getanen Äußerungen zeugen von Behaftetsein mit den  alten Anschauungen der bürgerlichen Welt [ ... ] Sie zeugen von Weichheit und Gefühlsduselei, die eines SS-Führers unwürdig [sind].

Rudolf Höß1) über eine Rede Theodor Eicks vor
zweifelnden SS-Mitgliedern im KZ Sachsenhausen



Das Phänomen der Hemmung

TeddybärIch könnte es nur schwer übers Herz bringen, den Teddybären rechts zu zerreisen, ihm die Augen herauszuholen oder ihn ins Feuer zu werfen. Es regen sich bei mir Hemmungen, obwohl es sich doch nur um einen toten Gegenstand handelt.

Wird in einer Stadt der Sperrmüll abgeholt, kann man hin und wieder Stofftiere im Regen auf ihre Abholung auf dem Trottoir warten sehen. Mir geht das immer sehr ans Herz. Da ist ein Gebilde, ein Geschöpf, das lange Zeit Herzen erfreut hat und nun von der Welt verlassen auf seine Vernichtung in der Mülltrennung wartet.

Ähnliche Gefühle habe ich, wenn alte Gebäude abgerissen oder Bäume gefällt werden, ja sogar dann, wenn ich einen alten Radio wegwerfen soll, weil er nicht mehr richtig funktioniert.

Hemmungen spielen bei der Steuerung von Aggressivität in der Tierwelt eine wichtige Rolle.2) So heisst es, kämpfende Hunde hätten eine Beißhemmung, wenn ihr Gegner auf dem Rücken liegt. In der menschlichen Kultur drückt sich dies in dem Anstand aus, gefallene Menschen nicht weiter zu demütigen. In England heisst es: "Don't kick a dog when it's down".

Das Phänomen der Enthemmung: Härte

An der Bushaltestelle stehen mehrere Schüler und Schülerinnen einer achten Klasse zusammen. Als sich ein etwas verschrobener Junge und ein sehr behütetes und schüchternes Mädchen mit Worten zu zanken beginnen, suchen die Umstehenden nach Möglichkeiten, Öl ins Feuer zu gießen. Es gelingt und das Mädchen schlägt den Jungen mit einem Schirm kräftig auf den Kopf. Die Wunde muss genäht werden und die Sache erfährt ein größeres Nachspiel. Die nächsten Tage werden die Lehrer und Eltern vor allem auch die Umstehenden nach dem Wozu fragen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich ehrlich kein Motiv für mein Handeln als einer der Anheizer angeben konnte. Es war plötzlich so eine Stimmung in der Luft, da machte man mit. Es lief wie von alleine ab und es war alles ganz herrlich aufregend.

War es Ernst Jünger der das Wort "Blutrausch" in seinen Tagebuchaufzeichnungen aus dem ersten Weltkrieg3) verwendete? Ein Historiker, so meine ich mich zu erinnern, wies mich darauf hin, dass Jünger (1895 bis 1998) kühl-sachlich das Phänomen des rauschhaften Tötens beschrieben haben soll. Und in Augenzeugenberichten über Völkermorde ist ebenfalls von dem Phänomen des Blutrausches die Rede, einem Zustand, der keine Hemmungen mehr kennt.

Stanley Kubricks Science Fiction-Klassiker 2001: Space Odysee aus dem Jahr 1968 beginnt mit Bildern aus dem Alltag von Vormenschen in der afrikanischen Steppe. In einer Schlüsselszene entdeckt einer der affenähnlichen Vormenschen einen Knochen als Tötungswerkzeug. Nachdem ihm diese Entdeckung bewusst wurde, schleudert er den Knochen triumphierend in die Höhe. In einem Filmschnitt wird aus dem Knochen dann eine rotierende Raumstation, untermalt von Richard Strauss Also sprach Zarathustra. Die Handlung des Films setzt sich dann im Weltraumzeitalter fort. Die ersten Szenen des Films, in der Steppe, sind mit "Dawn of Men" übertitelt. Die Symbolik legt es nahe, dass die Entdeckung von Werkzeugen zum Töten ein wesentlicher Schritt hin zur Menschwerdung war.


Optimierung braucht geregelte Härte

Erfolg geht oft mit der Fähigkeit zur Aggression einher, mindestens aber benötigt er ein ausreichend großes Maß an Tatenlosigkeit gegenüber dem Leiden anderer Kreaturen. Ein Unternehmen, das im heutigen Milieu keine aggressiven Werbekampagnen durchführt oder Lobbyismus betreibt, hat einen Wettbewerbsnachteil. Der Chef einer kleinen Firma, der sich von netten aber unproduktiven Mitarbeitern nicht trennen kann, wird auf Kurz oder Lang von der Konkurrenz verdrängt werden. Ein Volk, dass Rücksicht auf das Leben von Erdbewohnern wie Hasen, Füchsen, Maulwürfen und Mäusen nimmt, kann keine Tagebaue betreiben und wird sich damit billige Rohstoffe verwehren. Optimierung, biologische oder technologische Höherentwicklung scheint nicht ohne Leid ablaufen zu können.

Der amerikanische Autor Howard Bloom prägte für diese Kopplung des Schöpferischen mit dem Zerstörerischen den Begriff Luzifer-Prinzip4). Luzifer, als abgefallener Engel, steht gemeinhin für das Böse. Bloom aber würdigt Luzifers Tätigkeit anhand vieler Beispiele als Voraussetzung für die Schaffung neuer Strukturen und Dinge. In der indischen Philosophie wird diese Kopplung sichtbar an der Dreiheit der Götter: Brahma ist der Erschaffer, Shiva der Zerstörer und Vishnu der Bewahrer. Goethe charakterisierte Mephistopheles in seinem Faust als "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft".

Man mag an dieser Stelle einwenden, dass es ja auch friedfertige Pflanzen, Tiere und Kulturen gibt. Doch zwingt sich die Beoachtung auf, dass diese zumindest gegenwärtig nicht die tonangebenden und richtungsweisenden Lebesformen sind. Und außerdem lohnt sich manchmal ein zweiter Blick auf die vermeintliche Friedfertigkeit. So mag die Schweiz als friedliebendes Land erscheinen, hat sie doch seit Jahrhunderten nicht mehr aktiv an Kriegen teilgenommen. Doch könnte man ihr auch eine indirekte Aggressivität, mindestens aber Gleichgültigkeit vorwerfen. Denn mit dem Bankengeheimnis hat sie ein Instrument geschaffen, von der Aggression anderer erfolgreich zu profitieren. Möglicherweise vorhandene Skrupel, große Geldmengen von Diktatoren und Waffenhändlern zu verwalten, haben sie bisher noch nicht zu einer Änderungen ihrer Bankenpolitik geführt.5)

Erfolgreiche Lebensformen und Kulturen benötigen nicht nur zwangsläufig ein Mindestmaß an Rücksichtslosigkeit. Aggressivität und Hartherzigkeit können vielmehr neue Optimierungspotenziale eröffnen. Eine Gesellschaft auf Expansionskurs, eine Gesellschaft, die im rauhen Milieu des globalisierten Wettbewerbs bestehen will, tut gut daran, hinderliche Skrupel und Hemmungen abzubauen.

Aus eigener Anschauung kenne ich die Szene, dass die Entscheidungsträger einer größeren Organisation über die Bewerbung eines jungen Mannes zu entscheiden hatten. Der Bewerber war finanziell in Bedrängnis, hatte keine Arbeit und eine Familie zu versorgen. Hinzu kam, dass seine Frau erwerbsunfähig war. Unter den Führungskräften der Organisation wurde ganz allgemein die zu besetzende Stelle in ihrer Funktion beschrieben, als ein Mitarbeiter (ich war es nicht) auf den Bewerber und seine Lage hinwies. Sofort wurde der Redner von seinem Vorgesetzten schnittig darauf hingewiesen, dass "wir keine Sozialhilfeeinrichtung" seien. Wir stünden im Wettbewerb. Man könnte übergangslos weiter ausführen, dass "die getanen Äußerungen von Behaftetsein mit den  alten Anschauungen der bürgerlichen Welt zeugen, von Weichheit und Gefühlsduselei, die einer Führungsperson eines großen Unternehmens nicht würdig seien." Damit aber begeben wir uns in die Nähe der Rhetorik des Dritten Reiches. Denn das leicht abgewandelte Zitat wird Theodor Eick, zugeschrieben, der maßgeblich die innere Organisation der KZs im Dritten Reich prägte. Überliefert wurde das Zitat von Rudolf Höß, dem späteren Leiter des KZ Auschwitz.

Diese gedankliche Nähe unseres heutigen Wirtschaftslebens zur Zeit des Nationalsozialismus will ich bewusst stehen lassen. Nicht aber, um diesen zu verharmlosen, sondern um jene als Gefahr auszuweisen. Das verbindende Element zwischen den beiden Welten ist die Ideologie der Optimierung durch Konkurrenz.

Rudol Höß berichtet in seiner Autobiographie für mich glaubwürdig, wie die deutschen Bewacher eines KZs systematisch zur Härte gegenüber den Gefangenen erzogen wurden. Im Dienste der höheren Sache müsse man seine eigenen Gefühle hinten an stellen. Dies sei die eigentliche Härte. Höß erzählt auf eine sehr befremdliche Weise, wie er unter dieser Anforderung stets litt, wie er eigentlich kein in dieser Weise kalter oder harter Typ war. Die Folgen dieser Härte für die Häftlinge hingegen bewegte ihn weniger, zumindest schrieb er darüber kaum etwas in seiner Autobiographie.

Die Nationalsozialisten verschafften sich mit der Erziehung ihrer Führungspersonen hin zu "Härte" viele Vorteile. Anstatt Leningrad einzunehmen und die Bevölkerung zu versorgen, hungerte man die Stadt über Jahre hinweg aus. Das schonte die eigenen Truppen und die eigene Versorgungslage. Hungernden Bauern aus der Sowjetunion nahm man zur Versorgung der eigenen Truppe ihre Ernte weg (dies wurde mir von einem Augenzeugen im Winter 2002 glaubhauft beschrieben). Durch das Euthanasie-Programm entledigte man sich Mitmenschen, die - nach NS-Logik - mehr kosteten als dass sie nutzten. Drei Beispiele, wie Skrupellosigkeit militärische Stärke befördern soll und es vielleicht auch kurzfristig tat.

Auf eine ähnliche Weise können sich Unternehmen heute Vorteile verschaffen, wenn sie skrupellos Mitarbeiter entlassen (um das Unternehmen zu retten), wenn sie trotz eines drohenden Klimawandels ohne Bedenken eine automobile Kultur in China und Indien fördern (um den Standort Deutschland nicht zu schwächen) und wenn sie ungehemmt Jugendliche an Alkoholkonsum heranführen (trinken werden sie eh). Und staatliche Schulen werden in Bildungsvergleichen umso besser dastehen, je geschmeidiger es ihnen gelingt, Schüler mit schlechten Noten auf andere Einrichtungen abzuschieben.

Dass aber kein nutzloses Mitleid, keine sperrige Solidarität diese Optimierung stört, dazu brauchen wir Menschen, die auch nicht von solchen Gefühlsregungen beeinträchtigt werden. Am besten, wir können Solidarität und Mitgefühl steuern. Wo es angemessen ist, dort dürfen wir es ausleben. Wo es aber den glatten Lauf des Geschäfts stört, dort müssen wir Gefühlsduselei am besten von uns aus unterdrücken.

Die Enthemmung der Gesellschaft durch Fernsehshows

Das kontrollierte Ausschalten von Mitgefühl und Solidarität wird uns von einer bestimmten Richtung von Fernsehunterhaltung antrainiert. Es ist eine Art von Show, die ich als Kind nicht kannte. Früher, in den Zeiten von Robert Lembkes Heiteres Berufsraten, Wim Thoelkes Großer Preis, Hans Rosenthals Dalli Dalli oder Rudi Carrells Laufendes Band, da gab es Gewinner, die am Ende der Show gewürdigt wurden. Oft kamen sogar noch alle Kandidaten auf der Bühne zusammen und wurden abschließend gemeinsam gewürdigt.

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Art von Show. Beispiele sind Big Brother, die Sonja und Dirk Show, Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! (Dschungelcamp) und Deutschland sucht den Superstar (DSDS). Als neues Element haben diese Shows eine Entwürdigung der Kandidaten gemein. Eingebettet in einen Wettkampf drängt sich das Wort Selektion auf und erinnert an die gedankliche Nähe des Geschehens zum Dritten Reich. Ein Abbau von Hemmungen wird in den Shows sowohl beim Kandidaten als auch beim Zuschauer gefördert. Der Kandidat muss seine Hemmungen überwinden, lebende Tiere zu essen (und damit zu töten), er muss sein Privatleben preisgeben, vor einem Life-Publikum auf kindischem Niveau zanken und Ähnliches mehr. Im Falle von Casting Shows werden "Versager" von einer Jury abgewertet und einem schonungslosen Urteil ausgesetzt. In jedem Fall sind die Kandidaten an ihrem Schicksal selbst schuld und verdienen kein Mitleid. Betriebswirtschaftlich ausreichend hohe Einschaltquoten legitimieren dann das Vorgehen der Produzenten und erzeugen ein stilles Einvernehmen der Fernsehgemeinde, dass die ganze Angelegenheit so in Ordnung ist.

Diese Kategorie von Show wurde nun um eine Produktion mehr erweitert. WipeOut – Heul nicht, lauf!6) Die Kandidaten müssen einen Hindernislauf überstehen. Dabei können sie von einer Mechanik ins Gesicht geboxt werden, können von großen Gummibällen fallen oder in Wasserbecken landen. Ein Moderator der Sendung, Matthias Opdenhövel, lässt sich auf einer Werbeseiten des Fernsehsenders ProSieben mit den folgenden Worten zitieren: "WipeOut hat den härtesten Parcours der Welt. Dagegen sind die Marines und die Fremdenlegion etwas für Weicheier. Ich selbst habe ihn absolviert, und es war ein großer Fehler." Es wird klar, dass Härte etwas Gutes ist und Weicheier - wasimmer das sein soll - nicht als Vorbild taugen. In meiner Wahrnehmung schwingt bei solchen Sätzen immer die Rhetorik der Nationalsozialisten im Hinterkopf:

Matthias Opdenhövel, 2009
Theodor Eick (Drittes Reich) 1)
WipeOut hat den härtesten Parcours der Welt. Dagegen sind die Marines und die Fremdenlegion etwas für Weicheier. Ich selbst habe ihn absolviert, und es war ein großer Fehler. Die getanen Äußerungen zeugen von Behaftetsein mit den  alten Anschauungen der bürgerlichen Welt [ ... ] Sie zeugen von Weichheit und Gefühlsduselei, die eines SS-Führers unwürdig sind.


Ich kann nichts über die Intention der beiden Urheber solcher Sätze sagen. Die Wirkung dürfte in beiden Fällen aber eine Geringschätzung vermeintlicher Schwäche (Weichereier, Gefühlsduselei) und eine damit einerhegende Verrohung der Gefühle sein.

Dass der Zuschauer bei solchermaßen beworbenen Sendungen Hemmungen gegenüber einem unschuldigen Voyeurismus abbaut, mag noch eher harmlos sein. Er wird sich mit der Zeit aber auch daran gewöhnen, dass andere Menschen bloßgestellt, verletzt und niedergemacht werden. Je nach Zuschnitt der Sendung ist es für die Kandidaten förderlich, sich möglichst weit bloßzustellen oder hohe Verletzungsrisiken einzugehen. Wir sind mit dieser Machart von Show nicht mehr weit von Arnold Schwarzeneggers Film-Klassiker Running Man von 1987 oder der Unterhaltung im antiken römischen Colosseum entfernt.

Die Böse Macht

Die Gefahr, die ich in diesen Shows sehe ist zweifach. Zum Ersten können die Shows zu einer Verrohung und Brutalisierung unseres Gefühlslebens führen. Fernsehen schafft gemeinsame Werte, es liefert dem Zuschauer Prototypen akzeptierten Verhaltens. Für die oben beschriebenen Shows könnte dies bedeuten, dass wir auch im Berufsleben, in der Schule, im Sportverein zunehmend weniger Solidarität und Mitgefühl mit Mitmenschen zeigen, wenn diese uns nicht nützlich sind. "Schwächlinge Mitschleifen" war dann gestern: "Wer bremst verliert." "Auf Einzelschicksale können wir keine Rücksicht nehmen." In einem Klima, das solche Sprüche toleriert, werden es Fürsprecher einer liebevollen, solidarischen und einfühlsamen Gemeinschaft schwer haben.

Zum Zweiten sehe ich eine Gefahr darin, dass eine zukünftige Böse Macht über Fernsehformate wie die oben angeführten Shows die Belastbarkeit bzw. Mitlaufwilligkeit der Bevölkerung ausloten kann. Nach dem Motto: Wer ernsthaft über Knochenbrüche eines Kandidaten lacht, der wird sich auch nicht beschweren, wenn wir Behinderte lautlos entsorgen oder "Arbeitsscheue" still verhungern lassen.

Genau diese Art von Schluss zogen laut zweier Historiker die Nationalsozialisten aus dem Erfolg ihres Euthanasieprogramms: Sie hatten 1940 mit der Ermordung von Geisteskranken eine wichtige Erfahrung gemacht: "Die Erfahrung, daß Massenmord mit dem deutschen Behördenapparat möglich war und daß solche Taten die >>Stimmung<< in der Bevölkerung nicht wesentlich beeinträchtigten und von den Deutschen vielfach insgeheim oder offen befürwortet wurden, moderner gesagt: auf hohe Akzeptanz stießen."7)

Eine solche Böse Macht, wie es die Nationalsozialisten waren, wird heute nicht offen als Möglichkeit für das Europa der näheren Zukunft gehandelt.8) Ich habe aber bewusst nicht von bösen Menschen sondern einer Macht gesprochen. Und eine solche Macht sehe ich im kalten Mechanismus marktwirtschaftlicher Optimierung von Unternehmen. Dieser Mechanismus übersetzt das gnadenlose Treiben biologischer Evolution in technologische und organisatorische Strukturen, die uns immer mehr der Freiheit einer Alternative zur Evolution berauben. Darüber habe ich an anderer Stelle geschrieben und möchte deshalb hier nur auf die Liste interner Links unten verweisen.


Was tun?

Nicht mitmachen. Man kann als einzelner schlecht den Zeitgeist der herrschenden Kultur verändern. Man muss aber auch nicht alles mitmachen. Wenn Kollegen heiter über die dollsten Mißgeschicke von Showkandidaten reden, dann kann man alleine schon durch seine wortlose Haltung Distanz und Skepsis vermitteln und andere Werte andeuten. Herbert Marcuse forderte 1964 in seinem Eindimensionalen Menschen:

Qualitäten wie die Absage an alle Härte, Kumpanei und Brutalität; Ungehorsam gegenüber der Tyrannei der Mehrheit; das Eingeständnis von Angst und Schwäche (die vernünftigste Reaktion gegenüber dieser Gesellschaft!); eine empfindliche Intelligenz, die Ekel empfindet angesichts dessen, was verübt wird [...]9)


Ich will also weiterhin meine Skrupel behalten, selbst den toten Teddybären nicht zu schädigen. Und ich will die Gefühlsregungen zulassen, die in ihm ein schützenswertes Gebilde sehen.

Teddybär


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Fußnoten und Quellenhinweise

1) Höß, Rudolf: Autobiographische Aufzeichnungen. Ersterscheinung im Jahr 1964 im dtv Taschenbuchverlag. Höß war der Lagerkommandant des KZ Auschwitz. Vor seiner Hinrichtung in Polen verfasste er eine Autobiographie.
2) Lorenz, Konrad: Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression. Ersterscheinung 1963
3) Jünger, Ernst: In Stahlgewittern. Ersterscheinung im Jahr 1920
4) Bloom Howard: The Lucifer Principle. Ersterscheinung 1997
5) Ziegler, Jean: Die Schweiz wäscht weißer. Die Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens. Droemer Knaur 1992
6) Produziert von Endemol Deutschland GmbH für ProSieben: WipeOut – Heul nicht, lauf!
7) Aly, Götz; Heim, Susanne: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung.
8) Düster erscheint in diesem Zusammenhang ein Zitat des ehemaligen persönlichen Adjutanten Adolf Hitlers, Fritz Darges. 1992 soll er in einer Rede vor Veteranen seines ehemaligen Regimentes gesagt habten: "Wir sind nicht die letzten von gestern, sondern die ersten von morgen." Das Zitat ist einem Artikel des Magazins 'Stern' (51/2009) über Fritz Darges entnommen.
9) Marcuse, Herbert: Der Eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Ersterscheinung 1964 (auf Englisch)


Links innerhalb dieses Blogs

2008: Die Sonja und Dirk Show
2008: Breite Schweller und schnittige Frontlippen
2008: Archetypen der Macht
2006: Evolution als Ideologie
2005: Alltag als Kampfbahn
2005: Sozialdarwinismus in den USA
2004: Herbert Marcuse 1942
2002: Rechtlos im Niemandsland



Links zu anderen Themen innerhalb der Webseite www.seelengrund.de

2004: Robinson Crusoe und Freitag: Das Prinzip der Konkurrenz
2001: Zur Wirkung von Sachzwängen, dem neuen Befehlsnotstand



Letzte Änderung: 11. Juli 2010
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