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8. Mai 2009 Apoptose bei
Arbeitsplatzverlust Zur Plausibilität der Metapher des sozialen
Organismus I
Isolierte
Individuen
erleben
[...]
eine ganz unfreiwililge Unterwefung unter
Krankheit und körperlichen Zerfall. Sie werden von etwas ergriffen,
das dem Selbstmordmechanismus ähnlich ist, den man Apoptosis nennt ...
Howard Bloom, 19991) |
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Apoptose bei Zellen: Selbstzerstörung Nach dem Online-Lexikon
Wikipedia ist Apoptose Apoptose wird nicht als
Fehlfunktion beschrieben. Nach dem Wikipedia Artikel kann sie im
Kontext eines Gesamtorganismus sinnvolle Rollen erfüllen:
Menschliche
Gesellschaften
als
Organismen Teilbereiche menschlicher
Gesellschaften wurden häufig mit Organismen verglichen.
Naheliegende Metaphern liefern zum Beispiel die strukturellen
Ähnlichkeiten von Verkehrsnetzen mit der Aderstruktur von Pflanzen oder
den
Blutbahnen bei Säugetieren. Weitergehende Gleichsetzungen beziehen auch
die Idee von Geburt und Tod ein: sowohl Organismen als auch
Staaten werden geboren und sterben. In jüngerer Zeit dehnten sich
solche Analogiebetrachtungen auf Entsprechungen zwischen der neuronalen
Struktur von Gehirnen und dem Internet aus. Man spricht von der Global
Brain Metapher. In einem eigenen Textstück habe ich einen Einblick in
die
historische Entwicklung solchermaßen Organischer Theorien menschlicher
Gesellschaften gegeben. Ich selbst sehe zurzeit vor
allem zwei Funktionskomplexe, die bioanalaloge Strukturen in
menschlichen Teilgesellschaften ausprägen könnten, als bedeutsam an:
Erstens wirkt auf
der Ebene von Unternehmen ein starker, darwinistischer Selektionsdruck.
Durch den gleichmachenden Zwang zur Erwirtschaftung von Profiten,
werden Unternehmen in Richtung auf eine wachsende Effizienz hin
gezüchtet. Insofern setze ich die globale
Marktwirtschaft mit einem darwinistisch Evolutionsprozess
gleich. Diese Idee ist in einem eigenen Kapitel mit dem Titel Gen-Unternehmen
skizziert. Unter der Annahme, dass es allgemeine Prinzipien von
Effizienz
gibt, erwarte ich die zunehmende Ausprägung biologischer Phänomene auch
in Unternehmen: Was die Evolution in Organismen über vier Milliarden
Jahren als effizient herausselektiert hat, wird in ausreichend
abstrahierter Form auch in Unternehmen erkennbar werden. Dieser Gedanke
führte zu der oben schon
erwähnten Vorstellung von organischen Theorien, aber eben konkretisiert
an der Idee neuronaler
Unternehmen.
Als Vorwurf haftet solchen
Analogiebetrachtungen oft an, dass sie nicht mehr zu liefern im Stande
seien, als bloße äußere Ähnlichkeiten. Diesen äußeren Ähnlichkeiten
entsprächen, so der Vorwurf, keine strukturellen oder funktionalen
Analogien, die zu Prognosen und Modellbildungen taugen. Mit diesem
Vorwuf werden die Gesellschaft-Organismus Vergleiche auf eine Stufe
gestellt, mit dem Vergleich eines Kastanienblattes mit einer
Menschenhand. Beide weisen eine Fünfgliedrigkeit auf. Doch während bei
dieser die Finger zum Greifen dienen, gibt es beim Ahornblatt keine
solche Funktion. Der Vergleich liefert keine funktionalen
Entsprechungen. Der Prozess der Apoptose, einer
selbstgesteuerten Tötung bzw. selbstzerstörerischer Mechanismen,
scheint mir aber diesen Vorwurf zu entkräften. Apoptose wie oben
beschrieben, macht im Kontext eines biologischen Organismus Sinn. Die
Zelle stirbt zum Wohl des Ganzen. Und sie tut dies so, dass der
Organismus von ihrem Tod möglichst wenig Schaden davon trägt. Ließe
sich nun ein der Apoptose ähnliches Verhalten auch bei Menschen finden,
die dann Zellen im Organismus gleichgesetzt wären, so spräche dies für
die Möglichkeit tierfergehender, funktionaler Analogien zwischen
Gesellschaftsstrukturen und Organismen. Tatsächlich gibt es, so meine
Einschätzung, eine ganze Reihe von menschlichen Verhaltensweisen, die
sich im Sinne einer Apoptose interpretieren lassen. Apoptose
bei
Menschen:
sozialer
Rückzug Kate W. Strully erhielt 2005
ihren Doktortitel (Ph. D.) im Fach Soziologie an der New York
University. Der Titel ihrer Dissertation lautete Job Loss, Unemployment and Health.4) Veröffentlichungen zu dem Thema sind für die
Fachzeitschrift Demography
geplant. Im Kern ist Strullys Arbeit ein empirischer Beleg für die
Tatsache, dass arbeitslose Menschen anfälliger für Krankheiten sind als
Menschen im Arbeitsprozess. Dieser Effekt halte sogar noch über den
Beginn einer neuen Arbeit nach der erlittenen Arbeitslosigkeit an. Diesen Befund reihe ich ein in
Beispiele, die der Autor Howard Bloom für seine These liefert, dass
sich Menschen genau dann selbst töten, bzw. einen soziale Rückzug unter
Verzicht auf Ressourcen der Gruppe beginnen, wenn sie für die Gruppe
nicht mehr nützlich sind (oder dies so empfinden). Wer arbeitslos wird,
erbringt keinen Nutzen mehr für die Gemeinschaft.5)
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Apoptose: Der Körper zerstört sich selbst
Nach
Bloom
dient
das
selbstzerstörerische Verhalten dem Zweck, die Gruppe
von der Last eines nutzlosen Individuums zu befreien. Dieser Fall kann
beispielsweisse dann eintreten, wenn man krank, alt und siech oder
erfolglos ist. Bloom beschreibt in seinen beiden Büchern viele Fälle
von selbstzerstörerischem Verhalten bei Tieren. Ein Beispiel ist das
Federrupfen bei Hausvögeln. Ich
möchte nun die Nähe zu Blooms Schilderungen verlassen und eigene
Beobachtungen spekulativ im Sinne von Blooms Idee verknüpfen.
Bloom
geht
davon
aus,
dass unsere Gene nicht ausschließlich darauf
programmiert sind, sich selbst zu vermehren. Er verwirft damit
gen-egoistische Ansätze wie etwa den von Richard Dawkins.6) Bloom vertritt die
These, dass es eine evolutionär wirksame Gruppenselektion gebe: Unsere
Gene wären demnach nicht daraufhin hin gezüchtet, sich selbst optimal
zu vermehren, sondern die Gruppen in denen die Organismen zusammenleben
optimal voranzubringen. Selbstaufopferndes Verhalten für die Gruppe,
ohne Vorteil für die eigenen Gene (dazu zählen nach Dawkins auch die
Gene enger Verwandter) wäre ein Indiz für die Wirksamkeit einer
Gruppenselektion.7)
Selbstzerstörerisches Verhalten
kann verschiedene Ursachen und Zwecke haben. Wenn sich jemand in
Lebensgefahr begibt, um einen anderen Menschen zu retten, würde ich
nicht von Apoptose reden. Dem selbstschädigenden Verhalten muss das
Fehlen jeglichen Zwecks für das betreffende Individuum hinzukommen. Der
Verzicht auf förderliche
Ressourcen (Essen, Gesundheit, Zuwendung) muss aus eigenem Antrieb
erfolgen. Ich möchte einige Beispiele aus eigener Anschauung liefern. Aussenseiter in Schulklassen
ziehen sich oft zurück, sitzen am Rand der Klasse, provozieren durch
ihren gesamten Habitus bereits, dass sich niemand für sie interessiert.
Ihr Gesichtsausdruck lädt Lehrer und Schüler dazu ein, ihre Leistungen
geringzuschätzen. Das gezielte Aufschlitzen von
Blutbahnen und auch Magersucht interpretiere ich als Apoptose.
Insbesondere bei der Magersucht (Bulimie) ist es wenig plausibel, dass
die Opfer mit ihrem Verhalten nur auf Umwegen die Aufmerksamkeit ihrer
Mitmenschen erlangen wollen. Viele Magersüchtige sterben an ihrer
Krankheit. Bei jüngeren Kindern kann man
manchmal beobachten, dass sie bei Frustration ihre Unterarme zerkratzen. Alle möglichen Fälle von
psychosomatischen Erkrankungen kommen als selbstzerstörerisches
Verhalten in Frage. Müdigkeit, Magenprobleme, Rückenverspannungen,
Morbus Crohn (eventuell psychosomatisch) und so weiter. Der soziale Rückzug von Arbeitslosen: Mir wurde mehrfach von Betroffenen berichtet, dass sie von sich aus bei Arbeitslosigkeit Bekanntschaften abbrechen, den Tag hinter geschlossenen Rolläden verbringen und eine generelle Antriebslosigkeit verspüren. Psychosomatische Erkrankungen und eine generell geschwächte Gesundheit bei Arbeitslosen passt ebenso in das Bild.4) Von Hunden heisst es, dass sie
beim nahenden Tod infolge von Altersschwäche oder Krankheiten, den
Kontakt zu den Menschen abbrechen und auch Hilfe nicht mehr annehmen
wollen. Ich konnte dieses Verhalten als Kind bei einer großen Deutschen
Dogge beobachten. Apoptose
verkehrt:
sozialer
Rückhalt Bloom beschreibt in seinem
Beispiel von den depressiven Patienten auch das Gegenteil: joviale
Patienten, die ihrer ganzen Umgebung angenehm sind und deshalb auch
vermehrt Zuwendung erfahren. Solche Patienten, so Bloom, verfügen oft
über einen starken sozialen Rückhalt. Ich lag einmal mit einer
Erkrankung zwei Wochen im Krankenhaus. Die Therapie schlug nicht an und
der Arzt kündigte mir einen erfolglosen Abbruch der Behandlung nach
Ende der
zweiten Woche an. Ich hatte mich bereits auf einen bleibenden Schaden
eingestellt; nichts Lebensbedrohliches, aber eben doch lästig. Nun
bekam ich täglich im Krankenhaus Besuch von allerlei Leuten. Nicht nur
aus der Familie, sondern auch Kommilitonen und sogar Kameraden
aus dem Sportverein. Nach zehn Tagen waren die Beschwerden der
Krankheit, der man auch psychosomatische Ursache nachsagt, schlagartig
verschwunden. Möglicherweise handelt sich
hier um einen der Apoptose gegenübergestellten Prozess: Die soziale
Umgebung oder die Situation signalisiert nicht Nutzlosigkeit. Im
Gegenteil: es wird signalisiert, dass man gebraucht und gewollt ist.
Der Körper, so die Spekulation, nimmt dieses Signal auf und setzt es um
in verstärkte Gesundheit. Vielleicht beruht die Wirkung
von Placebos auf solch einem Phänomen. Was den Patient gesunden lässt
ist nicht der Chemismus des Medizin, sondern die Botschaft menschlicher
Zuwendung, das damit transportierte Signal, dass man gewollt und
gebraucht wird. In Berichten über den zweiten
Weltkrieg bin ich an verschiedenen Stellen darauf gestoßen, dass bei
der fast dreijährigen Belagerung von Leningrad duch die deutsche
Wehrmacht bei der russischen Bevölkerung gerade jene Menschen
überlebten, die sich um andere kümmerten, nicht jene, sich bei Hunger
und Kälte durch Bettruhe schonten.8), 9)
Vielleicht sind auch hier Mechanismen am Werk, die das
Verhalten des Individuums im Hinblick auf den Gruppennutzen steuern:
Wer anderen hilft, bringt die Gruppe voran. Dadurch werden die eigenen
Kräfte gestärkt. Wer aber nur an sich denkt, sich schonen will, bringt
die Gruppe nicht voran: ein Mechanismus im Körper erkennt dieses
Verhalten in Notsituationen und schaltet den betreffenden Körper aus:
Apoptose.
Ich glaube, dass wir menschliches Verhalten nur dann vollständig verstehen können, wenn wir uns als Teil eines gruppenbezogenen Leistungsdruckes verstehen lernen. In der Evolution mussten Gruppen funktionieren, sodass die Individuen überhaupt eine Lebenschance hatten. Der Ausschluss von der Gruppe stellt entsprechend eine der härtesten Strafen dar und dürfte Reaktionen ähnlich der Apoptose hervorrufen. In der Klosterordnung der Benediktiner aus dem 6. Jahrhundert nach Christus sind abgestufte Formen der Ausgrenzung als Disziplinierungsmaßnahme verfasst. Zunächst wird der Delinquent vom gemeinsamen Essen ausgeschlossenen, bei anhaltender Renitenz von weiteren Gruppenaktivitäten. Auf deutschen U-Booten im Zweiten Weltkrieg war es einer der härtesten Strafen für ein Besatzungsmitglied, wenn keiner der Kameraden mit ihm reden durfte.9.5) Und auch im regulären Strafvollzug gibt es das Instrument der Isolationshaft. Ich vermute, dass die soziale Situation der Isolation unmittelbar auf das Selbstwertgefühl des Betroffenen wirkt: Sein Selbstwertgefühl wird herabgesetzt, was als sehr unangehem empfunden wird. Howard Bloom: "Isolierte Individuen erleben [...] eine ganz unfreiwililge Unterwefung unter Krankheit und körperlichen Zerfall. Sie werden von etwas ergriffen, das dem Selbstmordmechanismus ähnlich ist, den man Apoptosis nennt ..."1)
Anders als im eingangs
beschrieben Phänomen des aktiven Zelltodes führen nur wenige der von
mir angeführten Beispiele menschlichen Verhaltens direkt zum Tod. Das
Wort
Apoptose ist deshalb eigentlich nicht zutreffend. Es geht aber in
beiden Fällen darum, dass Individuen einer Gruppe freiwillig auf
Ressourcen verzichten, die dann anderen Individuen umsomehr zur
Verfügung stehen. In Ermangelung eines besseren Begriffs für die
sozialen
Phäomene bei Menschen möchte ich deshalb dennoch weiter von Apoptose
sprechen.
Geht man von einem
soziobiologischen Hintergrund der Gruppenselektion aus (wie Bloom es
tut), dann macht die Apoptose eines Individuums genau dann Sinn, wenn
es der Gruppe dadurch besser geht, wenn das betreffende Individuum auf
Ressourcen der Gruppe verzichtet. Im Extremfall: Der Gruppe ginge es
ohne das Indivdiuum besser als mit dem Individuum. Eine kleine Gruppe von Nomaden
streift durch die Tundra. Wenn die Arbeitsleistung eines Alten weniger
überlebenswichtige Ressourcen erbringt als er verzehrt, dann würde eine
Apoptose
Sinn machen. Wenn ein Mitarbeiter in einer
Firma mehr kostet als erwirtschaftet, dann würde Apoptose Sinn machen. Generell: Wenn ein Mensch einer
modernen
Gesellschaft mehr kostet als nutzt, dann würde Apoptose Sinn machen. Gen-Egoismus
gegen
Gruppenselektion Vor einem gen-egoistischen Hintergrund könnte man in den obigen Fällen erwarten, dass die Gruppen die betreffenden Individuen umbringen oder zumindest vom Zugriff auf die gemeinsamen Ressourcen ausschließen. Mit kühl berechnender Konsequenz fand eine Ausgrenzung vermeintlich nutzlosen Lebens (lebensunwert!) beispielsweise im Dritten Reich statt. Es gab Rechentafeln in Schulbüchern, die detailliert die Kosten für den Lebenserhalt eines behinderten Menschen nachwiesen und dem den möglichen Nutzen in Form von Arbeitsleistung gegenüberstellten.9.6) Bei negativer Bilanz war es nur konsequent, Behinderte umzubringen. Dies ist im Rahmen eines halbverborgenen Euthanasieprogrammes ja auch tatsächlich durchgeführt worden.10) Vor einem gen-egoistischen Hintergrund wäre aber zu erwarten, dass sich die Individuen zur Wehr setzen, wenn sie von ihrer Gruppe die lebenswichtigen Ressourcen entzogen bekommen. Mindestens dann sollte sie sich wehren, wenn sie noch im zeugungsfähigen Alter sind. Ein Befürworter des gen-egoistischen Ansatzes würde vermutlich kontern, dass sich Individuen dann zurückziehen, wenn dadurch Träger ähnlicher Gene (also Verwandte) einen Vorteil zur Verbreitung der Gene erlangen. Die vermeintliche Selbstlosigkeit wäre also kein echter Altruismus, sondern bloß ein Kalkül zur optimalen Verbreitung eigener bzw. verwandter Gene: Wenn ich sterbe, aber meine Verwandte unsere gemeinsamen Gene dadurch sehr viel besser verbreiten könnnten als wir alle zusammen, dann ist mein eigener Tod aus gen-egoistischer Sicht zielführen. Es ließe sich nun argumentieren, dass derart scheinbar altruistische Individuen bloß falschen Schlüsselreizen aufsitzen. In prähistorischer Zeit, als unsere Gene lange Zeit vom Leben in kleinen Gruppen geprägt wurden, war sozusagen fast jeder Mensch, den man in seinem Leben zu sehen bekam, ein Verwandter. Das heisst, die Schlüselreize zum Auslösen eines gen-egoistischen Altruismus mussten nicht zwischen Verwandten und nicht-Verwandte Menschen unterscheiden. Der Unterschied begann erst mit der Zunahme der Bevölkerungszahlen eine Rolle zu spielen. Es wäre dann weiter möglich, dass unser genetisch gesteuertes Verhalten dies heute noch nicht berücksichtigt. Wir verhalten uns deshalb gegenüber allen Menschen so, als seien sie Verwandte. So ließe sich jedes altruistische Verhalten letztendlich auf den Gen-Egoismus zurückführen. Mithin ließe sich die Apoptose auch gen-egoistisch erklären. Dagegen sprechen aber empirische Untersuchungen, denen nach Menschen sehr wohl zwischen nahen und fernen Verwandten unterscheiden. Die bösen Stiefeltern stehen für den entsprechenden Effekt. Erwachsene bevorzugen tendenziell ihre leiblichen Kinder gegenüber etwa Stiefkindern oder den Kindern, die außerhalb der Familie leben.11) Dies spricht mindestens für eine starke gen-egoistische Komponente im Verhalten und eine kognitive Ausstattung moderner Menschen, die zwischen verschiedenen Verwandtschaftsgraden unterscheidet. In dem Maße aber, wie unser Verhalten gen-egoistisch erklärt werden kann, dürften Individuen weniger Interesse daran haben, ihr individuelles Fortkommen zugunsten einer genetisch schwach verwandten Gruppe hintenanzustellen. Gen-Egoismus zusammen mit dem Beleg, dass wir tatsächlich nahe Verwandte bevorzugen müsste erwarten lassen, dass wir uns gegen einen Ressourcenentzug durch ferne Verwandte wehren. Genau das aber tritt bei sozialem Rückzug im Sinne einer Apoptose nicht ein: Die Individuen ziehen sich ja sogar freiwillig und oft ohne direkten äußeren Druck von den Ressourcen zurück, auch wenn nähere Verwandte dabei keine Rolle spielen. Das interpretiere ich als einen starken Beleg für die Wirksamkeit der Gruppenselektion.Ich vermute, dass unsere Vorfahren evolutionäre Stadien durchgemacht haben, in denen Populationen gegeneinander konkurrierten. Durchgesetzt haben sich letztendlich solche Populationen, deren Individuen zur Apoptose bereit waren. Wodurch wird eine Apoptose ausgelöst? Das oben beschriebene Verhalten der sozialen Apoptose bei Menschen scheint jeder Vorstellung von Egoismus zu widersprechen. Warum sollte ein Mensch gezielt von sich aus krank werden? Wozu sollte er sich gezielt so verhalten, dass andere Menschen ihn meiden, er wenig Unterstützung erfährt oder sogar Feindschaft und Ausgrenzung provoziert? Der von manchen Ökonomen unterstellte Homo Oeconomicus, der kalkulierende Egoist, der immer nur auf seinen Vorteil bedacht ist, würde ganz anders handeln. Er würde bluffen, eine Fassade aufziehen, die seine Umwelt dazu bewegt, ihm maximale Ressourcen zukommen zu lassen. Selbstrückzug, Selbstbescheidung bis hin zur Apoptose machen hingegen erst Sinn, wenn man den Gruppennutzen als obersten Regulator für unser Verhalten unterstellt, nicht unsere individuellen Vorteile. Wenn der Gruppennutzen dadurch gesteigert werden kann, dass sich ein Individuum sozusagen abschaltet, dann, so meine Unterstellung, wird im Individuum ein entsprechender Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst: Depression, Krankheit, Rückzug, Selbstmord etc. Diese Vorstellung setzt einiges voraus. Zum einen muss es Instanzen geben, die den Nutzen eines Indivdiuums für die Gruppe bewerten. Zum anderen muss es im Individuen angelegte Steuermechanismen zur Durchführung der Apoptose geben. Dieser Mechanismus muss autark gegenüber den individuellen oder gen-egoistischen Verhaltensregulatoren sein. Man könnte dies möglicherweise daran erkennen, dass sich die Apoptose eigengesetzlich gegenüber dem bewussten Willen des betreffenden Individuums durchsetzt. Wer ist wirklich gerne depressiv oder wer leidet wirklich gerne an Magersucht und Antriebslosigkeit? Ich vermute, dass es so etwas wie Schlüsselreize gibt, die den Apoptose-Mechanismus bei einzelnen Menschen auslösen können. Die Sender dieser Schlüsselreize können Mitmenschen sein, die einem Individuum Nutzlosigkeit und Ablehnung signalisieren. Man denke an Mobbing auf der Arbeit oder in der Schule und Ausgrenzung bei Arbeitslosigkeit. Die Schlüsselreize könnten aber auch im Gehirn der betreffende Person selbst entstehen, etwa als Ergebnis häufiger Frustrationserlebnisse. Es könnte sein, dass in einer Art Jung'scher Archetyp12) kognitive Muster und emotionale Zustände definiert sind, die als Spiegelneuronen13) einen Schlüsselreiz innerhalb des Gehirns zur Auslösung des Apoptose-Mechanismus darstellen. Ich unterstelle die ganze Zeit, dass dies alles unbewusst ablaufen kann, ja meist auch tut. Eindrucksvolle Beispiele für komplexe Verhaltensmuster, die vollkommen unbewusst ablaufen können, liefert der dänische Wissenschaftsautor Tor Norretranders. Er beschreibt unter anderem das Phänomen des Priming: Einem Probanden werden Bilder gezeigt. Das erste Bild jedoch leuchtet nur so kurz auf, dass der Proband den Inhalt nicht bewusst erfassen kann. Das zweite Bild leuchtet länger auf. Der Proband wird dann zum Inhalt des zweiten Bildes gefragt. Etwa: "Steht dort ein sinnvolles Wort?", oder "Zeigt das Bild etwas Realistisches?". Wenn nun das erste, nur unbewusst wahrgenommene Bild etwas mit dem zweiten, lange gezeigten Bild zu tun hat, dann geben die Probanden ihre Antwort sehr viel schneller.14) Dieses Experiment belegt, dass unbewusste kognitive Prozesse unser Verhalten grundsätzlich beeinflussen können. Tatsächlich beweisen ja die Erfolge der Werbeindustrie, wie mächtig die unbewusste Beeinflussung unseres Verhaltens sein kann. Es wäre also durchaus denkbar, dass ohne unsere bewusste Wahrnehmung fertig programmierte Verhaltensmuster in uns aktiviert werden. Der deutsche Psychologe Theo Gehm untersuchte dieses Phänomen der unbewussten Signalaufnahme im Kontext einer verbalen Kommunikation in Kleingruppen. Er schreibt: "In vielen Fälle werden [...] eher 'präprogrammierte Verhaltensmuster' aktiviert, als daß eine Umsetzung der gesagten Inhalte stattfindet. Ganz im Gegeteil unterstreicht im Bereich der Sozial- und Kommuikatiospsychologie eine Reihe von Befunden, daß schon minimale Auslösebdingungen - fernab von jeder expliziten Kommuikation - deutliche Auswirkungen auf Gruppenprozesse zeitigen [...] 'subjects are sometimes (a) unaware of the existence of a stimulus that importantly influenced a response, (b) unaware of the existence of the response, and (c) unaware that the stimulus has affected the respone' [...] Detailuntersuchungen dieser Annahme haben so beispielsweise gezeigt, daß schon sehr kleine Veränderungen in der Vokalisation enorme persuasive Effekte haben können, daß selbst minimale Veränderungen in Körperhaltung und Gestik, die von den Gruppenteilnehmern nicht einmal bewußt wahrgenommen werden, Prädiktoren für die weitere Gruppenentwicklung darstellen. So [zeigte sich,] 'daß sich ein Stimmungswechsel in einer Gruppe zum Depressiven hin schon vor Beginn einer Sitzung dadurch ankündigte (...), daß einzelne Teilnehmer gebeugt und mit hängenden Schultern dasaßen, während es in der Gruppe noch heiter zuzugehen schien.' Solche Signale waren teilweise so subtil, daß sie auch von den anwesenden Grupenmitgliedern nicht bewußt registriert wurden und dennoch verhaltenswirksam waren." Soweit das Zitat von Theo Gehm.15) Gehm führt weiter aus, dass solche unbewussten Prozesse zu einer physiologisch messbaren Koordination von Gruppenverhalten führen können. Ich vermute nun, dass in jedem menschlichen Gehirn mehr oder minder autarke Untereinheiten existieren16), die sich zur Kommunikation mit entsprechenden Unterheinheiten anderer Gehirne bestimmter Kommunikationskanäle abseits der üblichen Sprache und bewusster Gestik und Mimik bedienen. Diese führen eine kollektive Informationsverarbeitung durch, die auch dazu dient, jedem einzelnen Individuum seinen Gruppennutzen zu signaliseren. Blickkontakte bei Begrüßungen, die Festigkeit von Handschlägen, die Dauer eines Zuhörens etc. können solche Signale sein. Mobbing durch subtiles Schneiden, das heißt Ignorieren, kann bewußt durchgeführt werden. Ich glaube aber, dass in vielen Gruppen die Zuwendung zu einzelnen Personen vielfach unbewusst gesteuert wird. Konsequenzen für das tägliche Miteinander Wertschätzung in Form von aufrichtiger Aufmerksamkeit ist meiner Meinung nach das größte Geschenk, was man anderen Menschen machen kann. Um die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das gesamte Wohlbefinden einer Person zu stärken ist es oft schon sehr hilfreich, dieser Person immer wieder mit kleinen, ehrlichen Signalen zu zeigen, dass sie "dazu gehört", wichtig ist, gewollt ist und so weiter. Die Bedeutung und Tragweite dieser an sich selbstverständlichen Erkenntnis wird in unserer modernen "Leistungs"gesellschaft jedoch oft mit Füßen getreten. Beim Arzt spielt das Gespräch mit dem Patienten de facto keine Rolle. In der Schule erhalten einzelne Schüler kaum individuelle Aufmerksamkeit. Man will sich auf vermeintliche Exzellenz und irgendwie definierte Gewinner konzentrieren. Im Berufsleben interessiert nur der Output der Person, nicht die Person selbst: "Wir sind hier doch keine Sozialeinrichtung". Und so weiter. Relevanz für www.seelengrund.de Das Kernthema meiner Webseite ist die
Frage, inwiefern in unseren Seelenregungen ein Prinzip wirkt oder
wirken will, welches die naturgesetzlich beschreibbare Realität zu
transzendieren trachtet und dazu auch fähig ist. Dazu untersuche
ich einerseits die Vorbedingungen der Existenz eines von
Naturgesetzlichkeit und Logik freien Seins (z. B. Freier Wille). Um
jedoch die Beschränkungen der Naturgesetze durchbrechen zu können und
eine bessere Welt entwerfen zu können, müssen wir uns meiner Meinung
nach intensiv mit unserer eben naturgesetzlichen Herkunft beschäftigen.
Unsere biologische Vergangenheit in einem evolutionären Kontext prägte
unser Denken und unseren Willen. Dies müssen wir erkennen und in unsere
Überlegungen einbeziehen. Konkret glaube ich, dass menschliches Denken
maßgeblich aus Reflexen, Archetypen
und Metaphern besteht, die unser
individuelles Verhalten am darwinistisch definierbaren Gruppennutzen
ausrichten. In der
ökonomischen Realität errichten wir gerade die Regeln einer Konkurrenz
von Gruppen analog zur prähistorischen Zeit: Was früher die Horde war
ist heute das Unternehmen und wenn früher Horden gegeneinander Krieg
führten, so können wir uns heute mit den entsprechenden
Verhaltenstrieben im "knallharten Wirtschaftsleben" artgerecht
austoben.17)
Damit aber vergeben wir uns die Chance, eine befriedete Welt
jenseits des Konkurrenzdruckes zu erbauen; mein zentraler Kritikpunkt
an unserem gegenwärtigen Gesellschaftsentwurf. Die hier vorgestellten Phänomene rund
um die Apoptose bestätigen mich in der Ansicht, dass unser
evolutionäres Erbe uns tatsächlich im Sinne einer Gruppenselektion als
Individuen herangezüchtet hat, die stark auf die Steigerung des
Gruppennutzens ausgerichtet sind. Die Idee, dass soziale Gruppen wie
Organismen funktionieren könnten und dass die Idee des sozialen
Organismus mehr als nur eine bildgebende Metapher ist, gewinnt für mich
durch die hohe Wahrscheinlichkeit von Apoptose-ähnlichen Prozessen in
menschlichen Gemeinschaften stark an Plausibilität. ___________________________________ Literaturhinweise und Fußnoten 1) Bloom, Howard: Global Brain. Die Evolution sozialer Intelligenz. Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart. 1999. Die angeführten Beispiele stammen aus den Unterkapiteln Physiologische Wirkungen der Gruppenselektion im Individuum und Superorganismus, neuronale Netze und Immunsysteme. 2) Die Erklärung stammt aus dem Artikel "Apoptose" auf der deutschsprachigen Seite von Wikipedia. 3) Der Neurowissenschaftler Wolf Singer schreibt dazu in seinem Buch Der Beobachter im Gehirn. Essays zur Hirnforschung (2002) im Kapitel Die Architektur des Gehirns als Modell für komplexe Stadtstrukturen?: "So werden während der Gehirnentwicklung [...] zahlreiche Neuronen geopfert, um Architekturen zu optimieren. Neuronen, deren Funktion nicht optimal an die Ansprüche des Systems angepasst sind, werden vernichtet." 4) Strully, Kate W.: Job Loss, Unemployment and Health. New York University. 2005 5) Bloom, Howard: The Lucifer Principle. A Scientific Expedition into the Forces of History. 1995. Im Kapitel Why Humans Self-Destruct geht legt Bloom detailliert dar, worin er die Ursachen menschlicher Apoptose sieht. 6) Dawkins, Richard: Das egoistische Gen (Original: The Selfish Gene). Ersterscheinung 1976 7) Mir ist bewusst, dass ich mit meinen Betrachtungen grunsätzlich im Feld soziobiologischer Interpretationen verbleibe. Damit unterstelle ich zunächst die Wirkungslosigkeit die Existenz eines Verhaltens, welches sich nicht aus der biologischen Vergangenheit sondern aus einer anderer Seinssphäre ableiten lässt (etwa einer ethischen oder religiösen). Tatsächlich glaube ich, dass - plakativ gesprochen - 99,9% unseres Verhaltens irgendwie soziobiologisch erklärbar sind. Der Kern meines Philosophierens ist es aber, die fehlenden 0,1% aufzuspüren bzw. und die Bedingungen für ihre Aktivierung zu ergründen. Ziel muss es sein, sich von unserem evolutionären Erbe zu emanzipieren. 8) Ich meine, entsprechende Schilderungen in zwei Büchern gelesen zu haben. Eines davon ist: Haar, Jaap ter: Boris. Wolters-Noordhoff BV, Groningen. 2001. In diesem niederländischen Jugendbuch wird der Überlebenskampf russischer Kinder im belagerten Leningrad beschrieben. 9) Knopp, Guido: Der verdammte Krieg. Unternehmen Barbarossa. Bertelsmann Verlag, Sonderausgabe von 1998. Auf Seite 156 beschreibt der sowjetische Schriftsteller Daniil Granin, "daß vor allem die Menschen überlebt haben, die sich für andere aufopferten, die sich bewegten, Angehörige und Kinder pflegten, Wasser und Nahrung besorgten oder Holz für die Öfen auftrieben. Von diesen Menschen starben zwar auch viele, aber seltener als jene,die unbeweglich in ihren Betten blieben und Kräfte sparten." 9.5) Ich glaube, ich habe die entsprechende Schilderung gelesen in dem Buch von Georg Ernst: Bis zur letzten Stunde. Der U-Boot-Krieg 1939-1945. Bechtermünz Verlag. 1999 9.6) Bebilderte Rechengänge sind in der der Ordensburg Vogelsang in der nördlichen Eifel ausgestellt. Die Ordensburg Vogelsang war als Elite-Schule der SS geplant und kurzzeitig auch "in Betrieb". 10) Aly, Götz; Heim, Susanne: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung. Die Planung und Durchführung des Euthanasieprogrammes ist nachzulesen im Kapitel: Die Morde an den deutschen Geisteskranken. 11) Hausfater, G. and Sarah. Hrdy, eds: Infanticide Comparative and Evolutionary Perspectives. New York: Aldine Publishing Co. 1984. Sowie von Hrdy, Sarah: Mother Nature: A history of mothers, infants and Natural Selection. New York: Pantheon. 1999 12) Die Jung'schen Archetypen sind gut beschrieben in z. B. Jacobi, Jolande: Komplex Archetypus Symbol. Rascher & Cie., Zürich. 1957 13) Den Gedanken von Spiegelneuronen, die bestimmte Zustände in einem neuronalen Erregungsmuster erkennen, und den Bezug dieser Idee zur Kommunikation von Gruppen habe ich 2003 im Kapitel Neuro-Unternehmen im Unterkapitel Neuronale Software in einem Text mit dem Titel Organisational Mirror Neurons. A Sketch for a Bio-Inspired Design of Organisational Communication beschrieben. 14) Norretranders, Tor: The User Illusion. Cutting Consciousness Down to Size. Penguin Books 1999. Das Beispiel findet sich auf Seite 171 im Kapitel The Bomb of Psychology. 15) Gehm, Theo: Informationsverarbeitung in sozialen Systemen. Psychologie Verlags Union, Weinheim. 1996. In dieser Habilitationsschrift interpretiert der Autor die Kommunikation in menschlichen Kleingruppen als neuronales Netz. 16) Norretranders, Tor: The User Illusion. Cutting Consciousness Down to Size. Penguin Books 1999. Im Kapitel 11 The User Illusion beschreibt Norretranders Phänomene an sogenannten Split Brain Patienten. Bei solchen Personen sind die linke und rechte Gehirnhälfte physiologisch getrennt. Bestimmte Versuchsanordnungen legen die Annahme nahe, dass die linke und rechte Gehirnhälfte wie autonome Einzelpersönlichkeiten agieren. Eine humoristische Aufarbeitung dieses Effektes liefert der polnische Science Fiction Autor Stanislaw Lem in seinem Buch Peace on Earth aus dem Jahr 1987. 17) Die Fruchtlosigkeit einer Idealisierung des "harten Wettbewerbs" da draußen im Dschungel der Marktwirtschaft sehe ich treffend beschrieben in Arthur Millers Theaterstück Death of a Salesmans aus dem Jahr 1949. Bezeichnenderweise begeht der "Held" Selbstmord. Als erfolgloser Handlungsreisender bescherte er seiner Familie nur Schulden. Per Lebensversicherung macht er sich für seine Familie jedoch wieder nützlich: Apoptose. 18) Eisenberger; Naomie; Lieberman, Matthew, and Williams KD: 'Does rejection hurt? An fMRI study of social exclusion'. Science, 302, 290-292, 2003. Am Computerbildschirm spielten Probanden Ball mit zwei vermeintlichen Mitspielern. Die beiden Mitspieler begannen nach einiger Zeit, den Ball nicht mehr an den Probanden zu spielen. Die Probanden berichteten subkektiv über eine "höhere Empfindlichkeit". In einem Neuro-Imaging Scan waren zusätzlich Gehirnregionen aktiv, die die typischerweise körperlichen und sozialen Schmerz verarbeiten. In dem Artikel wird eine genetische Disposition für körperlichen Schmerz als Reaktion auf soziale Ausgrenzung nachgewiesen. 19) Hawton, K. & Van Heeringen, K. 2009: Suicide, Lancet 373, 1372-1381 20) Kelly, B. D. et al. 2009: Social capital and suicide in 11 European countries: an ecological analysis, Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology 44, 971-977 21) Lindstrom, M. & Mohseni, M. 2008: Social capital, political trust and self-reported psychological health: A population-based study, Social Science & Medicine 68, 436-443 22) Mesoudi, A. 2009: The Cultural Dynamics of Copycat Suicide, PloS ONE 4, e7252 23) Moore S. et al. 2005: The Privileging of Communitarian Ideas: Citation Practices and the Translation of Social Capital Into Public Health Research, American Journal of Public Health 95, 1330-1337 23) Moore, S. et al. 2009: Not all social capital is good capital, Health & Place 15, 1071-1077 24) Noh, Y.-H. 2009: Does unemployment increase suicide rates? The OECD panel evidence, Journal of Economic Psychology 30, 575-58 Links
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