25. Oktober 2008

Urtier als Metapher

Die Ambivalenz sozialer Integration als Bild

G. Heim, Aachen


 

Leben ist die seltsame neue Frucht von Individuen, die sich über Symbiose entwickelten. Schwimmende, paarende, tauschende und vorherrschende Bakterien lebten eng vergesellschaftet im Proterozoikum. Sie erzeugten unzählige Chimären, gemischte Lebewesen von denen der Mensch einen winzigen Teil einer sich ausbreitenden Nachkommenschaft darstellt.

Aus: Leben. Vom Ursprung zur Vielfalt
von Lynn Margulis und Dorion Sagans Buch, 1995



Irgendwo, auf irgendeiner Welt, lebten einmal kleine Tierchen im Ozean. Alle Tierchen hatten alles, was sie zum Überleben brauchten. Doch alle Tierchen konnten irgendetwas besonders gut: zum Beispiel schnappen, saugen, rudern, wedeln, sehen oder bohren.

Urtierchen als autarke Individuen

Dann, im Laufe der Entwicklung, schlossen sich die Tierchen zu Kolonien zusammen. Jedes Tierchen brachte seine besondere Fähigkeit mit. Nun brauchten nur noch die Sehtierchen zu sehen und die Rurdertierchen zu rudern. Jedes Tierchen beschränkte sich auf seine Kernfähigkeit. Die Spezialiserung auf eine Funktion war ein Schlüssel für den Erfolg der Kolonie. Die einzelnen Tierchen verloren an Autarkie, profitierten aber vom Nutzen der Arbeitsteilung in der Kolonie. Mit den Worten des polnischen Science Fiction Autoren Stanislaw Lem könnte man hier von soziointegrativer Degeneration sprechen.

Urtierchen als soziale Kolonien

Zuletzt gehen die ursprünglichen ganz in dem neu entstandenen Überorganismus auf. Die Schnapptierchen gibt es nicht mehr, die Sauger bilden den Mund, die Sehtierchen die Augen, die Wedeltierchen die Schwanzflossen und so weiter:


Entindividualiserte Urtierchen im Überorganismu

Keines der ursprünglichen Tierchen könnte mehr für sich alleine Leben oder über sein Schicksal entscheiden. Die Entstehung der neuen Individualität eines Fisches ging zu Kosten der Individualität der Urtierchen.

Ich bezeichne ein solches Zurechtformen ehemals individueller Komponenten durch die Bedürnisse und Chancen eines Überorganismus als Endomorphose.

Es ist ein Ziel dieser Webseiten, Gedanken und Material zur wertenden Beschreibung einer möglichen Endomorphose individueller Menschen durch entstehende soziale Übersysteme für eine spätere Bearbeitung zusammenzustellen.

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