Skizze eines wörtlich
verstandenen Konstruktivismus
Gunter Heim, Aachen
Juli 2004
...so kann man auch bezüglich der
Weisheit ... behaupten, daß, wenn es keine beste
(optimum) unter allen möglichen Welten
gäbe, Gott gar keine geschaffen haben würde.
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)
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| Ich
möchte hier eine Weltsicht skizzieren, welche unseren
Kosmos als ein gemeinsames Werkstück verschiedener
Geister auffast. Die Geister arbeiten ständig an dem
Kosmos weiter, um ihn gemäß ihrer Phantasie und ihren
Neigungen weiterzuentwickeln. |
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| Das erste
Bild, unten, zeigt in der gelben Kiste in der Mitte das,
was wir als Universum, als materielle Welt wahrnehmen.
Die blaue "3" steht also für Sterne, Bäume,
Menschen und Blumen und was es sonst noch alles gibt:. |
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| Die beiden
grauen Gespenster sollen Geister darstellen, die
ausserhalb dieser gemeinsamen Welt stehen, aber in sie
hineingucken können. Jedoch kann jeder Geist nur einen
begrenzten Einblick in die Welt nehmen, versinnbildlicht
durch drei Schlüssellöcher. So kann ein Geist niemals
die ganze Welt erfassen, sondern stets nur einen Teil.
Der rechte Geist sieht zum Beispiel gerade drei weit
auseinanderliegende Teile der Welt, der linke Geist drei
eng zusammenhängende Stücke. Dies ist in den
Gedankenblasen angedeutet. |
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| Aus ihren
fragmentarischen Einblicken in die Welt versuchen die
Geister größere Bereiche der Realität zu
rekonstruieren: |
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| Der linke
Geist denkt im Moment anscheinend eher in die Richtung
gedrungener Körper, der rechte Geist versucht die drei
auseinanderliegenden Punkte irgendwie zu einem schmalen
aber dennoch zusammenhängenden Körper zu verbinden. Bei
ihren Rekonstruktionen lassen sich die Geister nicht nur
von logischen Prinzipien leiten, sondern sie gehen auch
ihren individuellen Neigungen nach und versuchen diese in
die Welt hineinzuinterpretieren. Der eine mag vielleicht
gerne Rundungen, während der andere Ecken und Kanten
bevorzugt. |
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| Nun
erzeugen die Geister aus ihren partiellen
Rekonstruktionen bzw. Interpretationen der Welt neue
Ansätze, die Welt weiterzuentwickeln. Alle Kombinationen
von Teilideen der Geister sind dabei denkbare
Weiterentwicklungen der Welt. Wie beim Einblick in die
Welt ist aber auch hier eine Begrenzung vorhanden. Die
Geister können nur eine beschränkte Anzahl der Aspekte
ihrer Rekonstruktionen in die neuen Parallelwelten
hineinstellen: |
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| Das Bild
oben zeigt beispielhaft, wie aus jeweils zwei
Teilkonstruktionen neue Welten "angedacht"
werden. Insgesamt ergäben sich aus der obigen Situation
jedoch 6 neue Teilwelten als Ergebnis einer Kombination
der Einzelkonstrukte der beiden Geister: |
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| Der
weitere Fortgang der Sache muss nun aus zwei Aspekten
heraus betrachtet werden. Zum einen stellt sich die
Frage, wie die Einzelbeiträge der Geister in den
hypothetischen Parallelwelten miteinander harmonieren.
Zum zweiten kann gefragt werden, ob alle 6 Welten
zusätzlich zur Ausgangswelt weiterexistieren sollen und
ob jede dieser Welten wiederum Ausgangspunkt für neue
Rekonstruktionen und somit für neue Parallelwelten sein
darf. Diese zweite Frage soll zuerst beantwortet werden.
Der Antwort liegt die Hypothese zugrunde, dass
Informationsarbeit eine begrenzte Ressource ist.
Informationsarbeit ist sowohl nötig, um die entstehenden
Varianten des Universums zu verwalten (Metapher eines
Weltprozessors), Daten zwischen der Welt und den Geistern
zu übermitteln als auch sich mit den Varianten selbst zu
beschäftigen: 
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| Ist die
Kapazität zur Aufrechterhaltung von und Beschäftigung
mit Varianten beschränkt, dann müssen hin und wieder
Varianten verworfen werden, wenn neue entstehen. Demnach
können zu einem gewissen Zeitpunkt zwar Parallelwelten
existieren, deren Anzahl ist aber durch die beschränkte
Aufmerksamkeit der Geister sowie die beschränkte
Kapazität zur Verwaltung der Varianten auf eine gewisse
Anzahl beschränkt. Die Geister erzeugen stets eine
größere Anzahl von Weltverläufen, als letztendlich
weiterverfolgt werden kann. |
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| Das zweite
Problem in der Vorstellung einer gleichzeitigen
'Bearbeitung' des Universums durch mehrere Geister ist
die Beantwortung der Frage, wie denn die möglicherweise
divergierenden Teikonstrukte der einzelnen Geister zu
einem größeren Bild zusammengefügt werden sollen. Der
eine Geist denkt vielleicht, dass der Weltprozess in
Richtung "4" fortgeführt werden sollte, ein
anderer Geist sähe aber lieber eine "8" als
nächstes Ziel an: |
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| Und so
sähe der mögliche, neue Zustand des Universums aus,
falls sehr viele Geister in unterschiedliche Richtungen
arbeiten würden, und jeder Geist drei blaue Punkte dazu
platziert hätte:: |
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| Zwar sehen
die vielen Einzelvorschläge der Geister recht zufällig
verteilt aus, doch kann man aus den Punkten tatsächlich
jede Zahl zusammenbauen: |
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| Nun wäre
es eine sinnvolle Regelung, mögliche Varianten einer
Fortentwicklung des Universums nach zwei Kriterien zu
bewerten. Zum einen könnte man fordern, dass das
Universum in Gänze einen erkennbaren Sinn geben müsste.
Im Beispiel oben könnte dies heissen, dass sich durch
die Verbindung einiger oder aller Punkte, welche von den
Geistern vorgeschlagen wurden, eine bekannte Ziffer von 0
bis 9 bilden lassen müsste. Das erste Kriterium wäre
also, dass das Universum mindestens einen potenziellen
Sinn ergeben können muss, um nicht sofort verworfen
werden zu müssen. Das zweite Kriterium könnte man mit
dem Begriff der Popularität charakterisieren. Vielleicht
werden innerhab einer potenziellen Variante jene
Sinnkomplexe realisiert, die die meisten Einzelpunkte
verknüpfen können oder vielleicht gewinnt auch jener
Sinnkomplex, der den Vorstellungen der meisten Geister
entspricht. |
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Zusammenfassend möchte ich noch einmal
beschreiben, wie eine Gestaltung dessen was wir als
Realität empfinden als Ergebnis einer gleichzeitigen
Wirkung verschiedener Geister interpretiert werden
könnte:
- Es können gleichzeitig mehrere Parallwelten bzw.
-universen existieren.
- Parallelwelten können neu erzeugt oder auch
verworfen werden.
- Jede Parallelwelt benötigt eine gewisse
Kapazität an Informationsarbeit, um erzeugt bzw.
aufrechterhalten zu werden: Idee eines
Weltprozessors, der Informationsarbeit
verrichtet.
- Da die Kapazität zur Erzeugung bzw. Fortführung
einer Welt begrenzt ist, können nicht beliebig
viele Welten parallel existieren.
- Diese Begrenztheit der Anzahl von Parallelwelten
ist EIN guter Grund, Parallelwelten zu bewerten,
und jene Welten fortzuführen, die am BESTEN sind
und die schlechteren Welten zu verwerfen.
- Die Welten sind der Gegenstand eines
Gestaltungswillens von verschiedenen Geistern.
- Trotz unterschiedlicher Gestaltungsziele, teilen
sich die Geister eine oder mehrere gemeinsame
Welten.
- Gestaltungswillen der Geister könnten zum
Beispiel Barmherzigkeit, Wissensdrang,
Kampfeslust, schöne Formen, angenehme Gerüche
und so weiter sein.
- Die Geister haben eine begrenzte Aufmerksamkeit,
die sie der Welt widmen.
- Die Geister erkennen nur Teile der Welt. Sie
re-konstruieren sich fehlende Teile, wie eine
Welt als Ganzes sein könnte.
- Die Geister können steuernd in die einzelnen
Welten eingreifen.
- Lassen sich die Vorschläge innerhalb einer Welt
nicht zu einem stimmigen Gesamtbild
zusammenfügen, so wird diese Welt verworfen.
- Lassen sich die Vorschläge innerhalb einer Welt
zu mehreren stimmigen Gesamtbildern
zusammenfügen, so wird die BESTE Variante
realisiert.
- Stehen noch Kapazitäten seitens der Geister und
seitens des Weltprozessors zur Verfügung, so
können bei mehreren interessanten Varianten auch
neue Parallelwelten erzeugt und gegebenenfalls
weitergeführt werden.
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| Diese
bildhafte Beschreibung soll sich auf unsere Welt
beziehen, die wir wahrnehmen. Die Geister sollen das
Geistige in der Welt darstellen, ein Agens, das
immateriell ist, aber dennoch mit dem Materiellen in
Wechselwirkung steht bzw. dieses durch sein Zutun erzeugt
und gestaltet. Die Geister sollen darüberhinaus auch
Träger von Willen sein. Die Parallelwelten sollen
tatsächlich unterschiedliche Universen darstellen. Die
Varianten innerhalb einer Parallelwelt sollen
quantenphysikalische Wahrscheinlichkeitszustände sein.
Die Realisierung einer Variante innerhalb einer Welt
entspräche dem Kollabieren einer
Wahrscheinlichkeitswelle in einen realen Zustand. Eine
Wahrscheinlichkeitswelle muss spätestens dann in einen
konkreten Zustand kollabieren, wenn die Kapazität des
Weltprozessor, der Datenübertragung zwischen den
Geistern und der Welt oder die Kapazität der Geister
selbst ausgereizt ist. Diesem Ansatz liegt also die
Vermutung zugrunde, dass man einige Phänomene in unserem
Universum dadurch deuten könnte, dass unser Universum
eine irgendwie geartete Leistung nötig hat, um aufrecht
erhalten und fortgeführt zu werden und dass diese
Leistung begrenzt ist. Unser Universum wäre somit Teil
eines Entwicklungsprozesses, der gleichsam probierend
mehr Möglichkeiten erzeugt, als er langfristig
unterstützen kann und deshalb immer wieder
Teilentwicklungen bewertend vergleicht und einige dann
verwirft. |
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| Ich
möchte abschließend das Phänomen der Synchronizität
im Rahmen der oben dargelegten, bildhaften Interpretation
unseres Universums zu deuten versuchen. Als
Synchronizität bezeichnet man das Zusammentreffen von
Ereignissen, die in keinem erkennbaren Kausalzusammenhang
zu stehen scheinen und sich dennoch als Ausdruck eines
übergeordneten Sinnes oder einer übergeordneten Absicht
interpretieren lassen. Ein Beispiel wäre das Verpassen
eines Zuges, der anschließend entgleist. Ein anderes
Beispiel ist die Erinnerung an einen alten Bekannten, an
den man seit langem nicht mehr gedacht hat, und der kurz
darauf ohne besonderen Anlass anruft. |
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| Fast alle
Handlungen in unserer Welt könnten Ausdruck
übergeordneter, größerer Willenskomplexe sein, die in
ihrer Wirkung auf die Welt jedoch begrenzt sind. Jeder
Wille kann nur zum Teil realisiert werden und er wird
deshalb in seiner Gesamtgestalt kaum sichtbar. Gibt es
zum Beispiel einen Geist, der eine bestimmte Person zu
politischer Größe verhelfen will, so steht dieser Geist
vielleicht in Konkurrenz mit tausenden anderen Geistern,
die ganz andere Willen verfolgen. Deshalb kommt der
erstgenannte Geist auch nicht immer sondern eher selten
zur Geltung. Nur manchmal kann er sich mit seinen
Teilbeeinflussungen durchsetzen, zum Beispiel dann, wenn
sich seine konkreten Einflussnahmen mit denen anderer
Geister decken. Das ist dann, was wir als Synchronizität
zu erkennen glauben. Da jedoch die meisten Geschehnisse
in der Welt Ausdruck einer Vielzahl konkurrierender und
manchmal kooperierender Geister und Willen sein könnten,
wird man nur hin und wieder schemenhaft einzelne,
größere Absichten beziehungsweise Tendenzen im
Weltprozess erkennen können. |
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