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Physik und Freier Wille
Scheinbarer Zufall als Schleier
für Willensakte?
Da
in der Physik die deterministische Auffassung verlassen ist, besteht
auch keinerlei Grund mehr eine vitalistische Auffassung weiter aufrecht
zu erhalten, gemäss welcher die Seele physikalische Gesetze
"durchbrechen" könne oder müsse. Es scheint vielmehr ein
wesentlicher
Teil der "Weltharmonie" zu sein, dass die physikalischen Gesetze
für
die Möglichkeit einer anderen Beobachtungs- und Betrachtungsweise
(Biologie und Psychologie) gerade so viel Spielraum lassen, dass die
Seele alle ihre "Zwecke" erreichen kann, ohne physikalische Gesetze zu
durchbrechen.
Wolfgang Pauli, 1948 ![]() Präzisierung des Zufallsbegriffs In der bisherigen Diskussion über die Voraussetzungen eines Freien Willens unterschied ich zwei Arten der Freiheit, die einem Willen zu kommen können. Erstens kann er frei in seiner Entstehung sein. Das heisst, was der Wille will, sein Ziel also, ist durch nichts festgelegt als durch sich selbst. Ein gängiges Muster, die Freiheit der Entstehung eines Willens zu hinterfragen besteht im Verweis auf materielle Zustände, die bestimmten Willenzuständen stets vorausgehen. Spürt man etwa einen Willen zu Essen, so kann man auf den experimentell feststellbaren Zustand des Nahrungsbedarfs des Körpers verweisen. Im Laufe der Zeit konnten die biologisch beschreibbaren Korrelate zu bestimmten Willenszuständen immer enger gefasst werden. Vor einigen Jahrzehnten noch suchte man nach bestimmten hormonellen Zuständen des Körpers, die bestimmten Willensakten vorausgingen. Heute liefert die Erforschung des Gehirns zunehmend detaillierte Beschreibung neuronaler Erregungszustände, die sehr eng mit mentalten Zuständen, eben auch Willen korrelieren. Das Argument konsequenter Deterministen geht dahin, dass jegliche Willensregungen bloß eine Folge bestimmter materieller Zustände der Welt seien. Willensregungen sind demnach hinsichtlich ihrer Entstehung nicht frei, sondern fest an den Ablauf der Welt gebunden. Um diese Form der Freiheit soll es an dieser Stelle aber nicht gehen. Ich will mich an dieser Stelle mit der Freiheit des Willens hinsichtlich seiner Wirkung beschäftigen. Hat ein Wille sein Ziel - wodurch auch immer - festgelegt, so muss ihm die Welt, in der er wirken will, die Freiheit lassen, etwas zu verändern. Es ist diese Freiheit in der Wirkung, um die es an dieser Stelle hier geht. Letzte Änderung: 28. April 2009 Diese Seite im Archiv (1999) Eine Ebene höher Oberste Ebene |