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Mai 2010 Eigene Wege zur eigenen
Utopie Gemeinschaft: Erfolgsfaktoren Man wird dem neuen Menschentypus nicht gerecht ohne das Bewußtsein davon, was ihm unablässig, bis in die geheimsten Innvervationen hinein, von den Dingen der Umwelt widerfährt. Was bedeutet es fürs Subjekt, daß es keine Fensterflügel mehr gibt, die sich öffnen ließen, [...] keine Schwelle gegen die Straße, keine Mauer um den Garten? Theodor W. Adorno1)
![]() Inhalt 1. Was wird hier unter
erfolgreichen Gemeinschaften verstanden?
1.
Was
wird
hier
unter
erfolgreichen
Gemeinschaften
verstanden? 2. Intellektualität als Problem Problematisch sind Gemeinschaften, die vorwiegend aus Intellektuellen bestehen. Sie sind meist nach kurzer Zeit in Streit zerfallen (Sozialutopien im 19ten Jh., Aussteiger in den 1970er Jahren). In langlebigen Gemeinschaften (Hutterer, Amish, Klöster) prägen Handwerk, Landwirtschaft und festgefügte Rituale stark den Lebensinhalt. 3. Zugehörigkeit ist freiwillig Gemeinschaft beruht auf freiwilliger Zugehörigkeit: Klöster, Amish-People. So lassen sich zum Beispiel offene Repressionsmechanismen vermeiden, die zu einer Einschränkung des freien Denkens führen. 4. Zeit der Prüfung vor Beitritt Es gibt eine Zeit der intensiven gegenseitigen Prüfung: Novizen bei Religionsgemeinschaften, 'Rumspringa' bei den Amish-People. 5. Schule unter eigener Kontrolle Schule unter eigener Kontrolle: Die Amish-People setzten wohl in den 1960er Jahren in den USA durch, dass die Kinder nur bis zur 8. Klasse in die Schule gehen müssen und weitgehend frei vom offiziellen Lerninhalt staatlicher Schulen bleiben. Das heisst z. B. keine Wissenschaft, keine Evolutionslehre etc. 6. Konservatismus stärkt Beständigkeit Konservative Gemeinschaften scheinen Kinder und junge Erwachsene besser im eigenen Sinne binden zu können als liberalte Gemeinschaften. So heisst es auf dem Online Lexikon Wikipedia, dass von konservativen Amish-Gruppen bis zu 95% der Heranwachsenden sich für einen Verbleib bei den Amish aussprechen, bei den liberalen Gruppierung aber zum Teil nur 40%. 7. Ausschluss als letztes Mittel möglich Ausschluss von unpassenden Personen, Meidung als Sanktion: Ordensregel der Benediktiner, lebenslanger Aussschluss von Amish, Exkommunikation in der katholischen Kirche, soziale Kontrolle in Samoa, Einzelfall Baruch Spinoza, Redeverbot auf U-Booten als Strafe (Ernst2), Buchheim) stärkt Konformität. 8. Wirtschaftskommunismus erfolgreich Weitgehende Einschränkung von Privateigentum - also Kommunismus - fördert den wirtschaftlichen Erfolg und die Beständigkeit (siehe Hermann Schempp3)). Ein Gegenbeispiel ist möglicherweise das beinahe Scheitern der früher Puritaner in Massachusetts. Erst als sie den Kommunismus aufgegeben haben sollen, soll sich wirtschaftlicher Wohlstand eingestellt haben. 9. Selektive Wirkung von Äußerlichkeiten Äußerlichkeiten haben eine starke selektive Wirkung: Menschen bestimmter Prägung würden nicht in eine autofreie Siedlung mit verspielten Holzhäusern ziehen, während das Banker-Milieu mit Anzügen, bestimmten Haarschnitten und Gastronomievorlieben wiederum andere Menschen fernhält. 10. Zugang nur über Einladung Zugang zur Gemeinschaft nur über Einladung bereits vorhandener Mitglieder ist förderlich für eine hohe Selektivität. 11. Bedeutung der Gruppengröße Dorfgemeinschaften der Hutterer haben in der Regel nicht mehr als etwa 100 Mitglieder. Überschreitet die Bewohnerzahl diese Wert, wird eine Tochtergemeinschaft gebildet. 12. Bedeutung des Zentralisierungsgrades Die katholische Kirche und die Praxis des Buddhismus stellen zwei Enden der Skala der Zentralisierung dar. Während die Katholiken eine oberste Zentralinstanz für die Selbstorganisation sowie auch für die Entwicklung eines Dogmas haben, so fehlt dem Buddhismus jegliche zentralistische Steuerung. Mit arbeitsteiligen Zwischeninstanzen (Universität Kairo für Glaubensfragen) scheint der Islam auszukommen. Sehr dezentral organisiert und dennoch beständig sind die Amish-People und Hutterer in Nord-Amerika. 13. Keine Kinder Es heisst, die isrealischen Kibbuzim hätten ihr Wesen am eigenen Willen der dort aufwachsenden Kinder und am Autarkiewillen der Familien verloren. Dafür spricht der Erfolg der Klöster, die weder Familie noch Kinder kennen. Gegen die These spricht die Beständigkeit der Amish und Hutterer Siedlungen in Nord-Amerika. 14. Gemeinsames Sinnempfinden Sinn sei hier als letztgültiger Zweck verstanden, der emotional befriedigt und nicht weiter begründet werden muss. Mitglieder müssen kompatible Sinnvorstellungen haben. Für manche ist es sinnvoll - und ausreichend - wenn sie ein materiell gesichertes Leben in Gemeinschaft führen können, andere sehen einen Sinn in ihrer Berufstätigkeit, wiederum andere in philosophischen Gedanken. Eine Übereinstimmung des Sinnempfindens der Menschen fördert den Erhalt einer lebendigen Gemeinde. __________________________ Fußnoten und Literaturhinweise 1) Theodor
W.Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem
beschädigten Leben. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008
(Erstveröffentlichtung in Deutschland 1950). Seite 42 f. Links innerhalb der Webseite www.seelengrund.de:
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Estellt: 19. Mai
2010
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Letzte Änderung: 5. Sept. 2010 |